Haltbarkeit abgelaufen
Paula genoss das Premium-Homeoffice für einen Münchner Verlag. Offiziell wegen des Klimaschutzes, in Wahrheit sparte der Chef die Büromiete. Ihre Kernarbeitszeit definierte Paula ohnehin über die Länge ihres Mittagsschlafs. Ihr Wohnort? Ein sterbenslangweiliges Nest im Berliner Speckgürtel, das gerade von gestressten Großstädtern überrannt wurde, die den urbanen Lärm durch exzessives Rasenmähen ersetzten.
Als der Kühlschrank nur noch Licht filterte, brach sie zum Supermarkt auf. Draußen dräute der Frühling – oder das, was die lokale Düngemittelfabrik dafür hielt.
Drinnen, direkt vor den Gewürzgurken, blockierte ein Mann mittleren Alters im Kniefall das Regal. Er starrte die Gläser an, als erwarte er eine göttliche Offenbarung.
„Suchen Sie die Senfgurken?“, fragte Paula.
Der Mann stöhnte existenziell. „Ich suche den Respekt. Flüchtig wie Dampf. Ich dachte, in der Konservenabteilung hätte ihn vielleicht jemand in Essigsud eingelegt, bevor er draußen komplett ausstirbt. Ich bin übrigens Bob.“
Paula, vom Homeoffice sozial unterfordert, kniete sich daneben. „Ich bin Paula. Im Angesicht des moralischen Verfalls schweißt das zusammen.“
Während sie hinter den Chilibohnen wühlten, bildete sich eine Traube gaffender Kunden. „Was wird das?“, blaffte einer. „Sie blockieren die Schnippelbohnen!“
Bob blieb stur im Kniefall. „Wir suchen den Respekt! Er liegt im Sterben. Wir hoffen auf Vakuumverschluss!“
Die Dynamik der Masse griff: Sofort warfen sich drei Kunden theatralisch dazu. Wenn es etwas umsonst oder zu bemitleiden gab, war man schließlich dabei. Sogar der unterbezahlte Filialleiter stieß hinzu, sichtlich den Tränen nahe: „Den vermissen wir an der Kasse auch seit Jahren. Nur noch Gemecker. Sollen wir Suchtrupps bilden? Team A sucht den Respekt, Team B das Lächeln bei der Tiefkühlkost?“
Zwei Teenager bogen um die Ecke, die Augen fest an ihre Displays geklebt.
„Respekt?“, schnaubte der Junge. „Ey, ist das nicht die Baumarkt-Werbung?“
Das Mädchen tippte hektisch. „Warte, Wikipedia sagt: ‚Form der Wertschätzung und Ehrerbietung gegenüber anderen.‘ Hä? Was sind das für Boomer-Wörter? Voll cringe.“
Ein kollektives Aufstöhnen ging durch die Menge. Die Bildungsreform hatte offiziell versagt.
Paula und Bob sahen sich an. Dieser Ort war verloren. Bob zog sie hoch: „Lass uns abhauen. Ich lade dich auf einen Kaffee ein. Hier drinnen finden wir höchstens eine Lebensmittelvergiftung.“
Doch der Kapitalismus schlug gnadenlos zurück. Eine Durchsage über reduzierte Butter lockte eine Büffelherde von Schnäppchenjägern an, die die Konservenabteilung überrollte. Bob und Paula wurden brutal auseinandergerissen.
Gefressen vom Mahlstrom des Samstags-Einkaufs blieb Bob verschwunden. Paula zahlte frustriert ihre Gurken. Der Respekt war weg, Bob auch. Aber immerhin, dachte sie auf dem Heimweg, hatte sie nun eine erstklassige Ausrede, warum sie am Montag im Homeoffice erst recht nicht vor zwölf Uhr aufstehen würde.
Ich hoffe, Ihr hattet Spaß
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Hallo , ich habe vorgeschlagen mit unseren Azubis eine Unterweisung/ Gespräch über Respekt zu machen.
Einige Kollegen waren der Meinung, das geht nicht, weil die jungen Menschen das nicht kapieren. Ich muss ziemlich erstaunt ausgesehen haben, den ich wurde gefragt, warum ich so betröppelt dreinschaue.
„Ich denke ich sollte das Gespräch mit Euch führen……“