Das Lächeln der Menschen – Geschichte

Seit Ende April tragen wir alle einen Mundschutz. Im Schwabenland sagt man Maultäschle, Snuutenpulli heißt es im Plattdeutschen und, und, und…
Mir scheint, seitdem habe ich auch kein Lächeln mehr gesehen.
Aber Moment mal, wenn ich genauer darüber nachdenken, habe ich vorher auch so gut wie kein Lächeln gesehen. Woran mag das liegen?
Wenn man aktuell einen Supermarkt besucht, sieht man lediglich böse schauende Augen oder auch Blicke, die einen sehr gehetzten Eindruck hinterlassen. Auch an einem langweiligen Mittwochvormittag hat man den Eindruck, es wäre kurz vor Weihnachten. Ja, ist denn schon Weihnachten?
Ich schau gleich mal im Kalender nach. Nee, ist noch nicht soweit. Glücklicherweise sind es noch viereinhalb Monate. Ich habe schon einen Schrecken bekommen.
Die Menschen stehen am Obstregal und suchen sich in aller Ruhe jede Kirsche einzeln aus. Jede Tomate wird befummelt und jeder Joghurtbecher wird angefasst und umgedreht.
Es wird geschubst, gedrängelt und genörgelt. Und nicht nur im Supermarkt.
Man sieht nicht einen entspannten Gesichtsausdruck.
Aber genau genommen war das doch vor Corona auch nicht viel besser, oder?
Was ist hier los in Deutschland? In einem Land, wo es den Menschen so gut geht, wie in keinem anderen Land. Woher kommt dieser Missmut, der Neid und die Häme?
Vielleicht liegt auch einfach nur an der Mentalität.
Auf keinen Fall freundlich sein.
So eine biestige Ruppigkeit, gekoppelt mit einer unglaublichen Überheblichkeit. Immer einhergehend mit abfälligen Blicken.
Nee, ich glaube, das liegt an der unterentwickelten Lachmuskulatur. Vielleicht ist es aber auch eine historisch bedingte Fehlentwicklung.
Man weiß es nicht so genau.
Ich werde mir jetzt mit einem Textilmarker ein strahlendes Lachen auf meine Maske aufzeichnen.
Vielleicht blinzelt ja mal einer.
Das würde ich mir sehr wünschen.

Kommt gut über den Sommer.

Eure Jutta

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