Ein Sommermorgen – Kapitel 1

Es war vielleicht 5:00 Uhr in der Frühe. Die Vögel veranstalteten ihren gewohnten Spektakel. Ganz oben auf einer Lärche sonnten sich ein paar Tauben. Aus dem rötlichen Morgenrot wurde ganz langsam ein goldgelb. Ein paar ganz kleine Schäfchenwolken segelten über den frühen Sommerhimmel. Es versprach ein schöner Tag zu werden.

Ganz entfernt hörte man ein Motorengeräusch. Es kam näher. Vermutlich war das der Zeitungsmann. Der steckte die Zeitung immer sehr verlässlich mal gerade eben so in den Briefkasten.
Aber es war nicht der Zeitungsmann. Das Auto hielt direkt vor ihrer Einfahrt. Der Motor wurde abgeschaltet. Die Autotür öffnete und schloss sich wieder.
Das Vogelgezwitscher hörte abrupt auf. Jule war jetzt hellwach. Wer wollte hier am Rande der kleinen Stadt so früh schon etwas von Jule und Peter? Ein Fotoauftrag oder eine Grafik, wenn möglich, wie immer für einen schmalen Taler?
Jule hörte Schritte, sie bewegten sich auf die Haustür zu. Dann klopfte es.
War der oder die über den Zaun geklettert?
Sie schlug die Bettdecke zurück und bemühte sich keinen Lärm zu machen. Ihr Mann Peter schlief noch ganz tief und fest. Die Katzen sprangen auf das Fensterbrett und spitzten ihre Ohren.
Ihr Herz klopfte bis zum Hals. So wach war Sie um diese Uhrzeit schon lange nicht mehr gewesen.
Ganz langsam schlich sie die Treppe nach unten und schob dann ihren Kopf um die Ecke herum. Die Haustür hatte sechs kleine Glasfenster. Normalerweise konnte man sehr gut erkennen, wer davor stand. Aber dort stand niemand.
Sie schlich sich in den kleinen Flur und schnappte sich den Regenschirm. Etwas anderes war nicht zur Hand.
Das würde sich aber ändern. Das nahm Jule sich ganz fest vor.
Jetzt wagte sie sich an die Tür um durch die Türfenster zu schauen, aber es war nichts zu sehen. So rein gar nichts.
Sie ging wieder zurück zum Treppenhaus und rief nach oben:
“Peter, kannst Du mal ganz schnell kommen?”. Es war nur ein Grummeln zu hören.

“Grimmmm, was ist denn?” brubbelte Peter vor sich hin.
“Jetzt komm doch mal” “Beeil Dich” rief Jule.
Peter stand jetzt neben ihr und sah sie fragend an. Sie flüsterte: “Da draußen steht ein Auto” und sie zeigte mit der Hand nach draußen. “Und es hat geklopft, es muss jemand über den Zaun gestiegen sein.”

Jetzt war Peter ebenfalls hellwach und lief los um einen Hammer zu holen.
Richtig, dachte Jule und lief in die Küche und holte sich ihr großes Kochmesser.
Sie gingen gemeinsam ganz langsam zur Haustür und spähten hinaus.

Nichts war zu sehen.
Peter öffnete ganz leise die Haustür und sie traten hinaus. Dann sahen sie einen Briefumschlag. Er lag auf dem Bistrotisch direkt vor ihrer Tür.
Sie schauten sich fragend an und liefen nach vorn zum Gartentor.
Das Auto entfernte sich genau in diesem Moment. Ein Audi, silbergrau. Das Kennzeichen war nicht erkennen. Sie sahen gerade noch so, dass nur eine Person im Auto saß.

Was sollten sie jetzt tun. Die ortsansässige  Polizeistation anrufen? Nein, das war Unsinn. Vor 9:00 Uhr war dort niemand zu erreichen.
Den Brief in die Hand nehmen und öffnen? Das trauten sie sich nicht.
Sie gingen nach drinnen und zogen sich schnell ein paar Jeans und Shirts an, um dann draußen im Garten und in den Nebengebäuden nach dem Rechten zu sehen.
Die Tür zum großen Schuppen stand offen und die Tür bewegte sich im Morgenwind leise hin und her. Sie näherten sich leise und spähten hinein.
Direkt vor ihnen lag ein kleines Paket auf dem Boden.
Bevor sie weiter suchten, liefen sie wieder ins Haus und riefen die Polizei in der nächst größeren Stadt an.
Das war sehr, sehr merkwürdig. Peter war sonst eigentlich mehr ein ruhiger Mann. Er betrachtete alles sehr sachlich. Jule nannte ihn auch oft “meinen kleinen Wissenschaftler”. Sie selber geriet da schon eher in Aufruhr. Aber er war jetzt alles andere als ruhig.
Am Telefon der Polizeistation sagte man ihnen, es könne ein “WEILCHEN DAUERN,” es sei ja keine Gefahr in Verzug.
Sie brauchten jetzt einen Kaffee und warum hatten sie mit dem Rauchen aufgehört?

Fortsetzung folgt.
Bleibt gespannt

Eure Jutta