{"id":4693,"date":"2017-11-14T12:00:04","date_gmt":"2017-11-14T11:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/jutta-lehmann.de\/?p=4693"},"modified":"2020-09-24T15:42:25","modified_gmt":"2020-09-24T13:42:25","slug":"geschichten-aus-der-kleinen-stadt-kapitel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jutta-lehmann.de\/?p=4693","title":{"rendered":"Geschichten aus der kleinen Stadt \u2013 Geschichte &#8211; Kapitel 2"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Was bisher geschah<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind in diese kleine Stadt gezogen um Ruhe und Natur zu finden.<br \/>\nBald stellten wir jedoch fest, das uns die Nachbarn nicht so recht mochten.<br \/>\nDas war als solches nicht ungew\u00f6hnlich. Aber nicht zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Viel beunruhigender war die Tatsache, dass man einen riesigen Solarpark plante.<br \/>\nIn unmittelbarer N\u00e4he eines Naturschutzgebietes und somit auch in unserer N\u00e4he.<br \/>\nWir erinnern uns an eine Fl\u00e4che von 180 ha, also etwa 250 Fu\u00dfballfelder.<br \/>\nWir gr\u00fcndeten eine B\u00fcrgerinitiative, verteilten Flugbl\u00e4tter und lie\u00dfen Plakate drucken.<br \/>\nBald darauf wurden wir zu einem Gespr\u00e4ch gebeten.<br \/>\nMan traf sich im Konferenzsaal unseres kleinen Gemeindeamtes. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Investors, der B\u00fcrgermeister und die Mitglieder der B\u00fcrgerinitiative sa\u00dfen zusammen.<\/p>\n<p>Nach nur wenigen Minuten kamen wir uns wie Schulkinder vor. Und zwar welche, die den Lehrer mit Butterbrotpapierkugeln beworfen hatten.<br \/>\nWir wurden sehr bestimmt in eine Ecke gestellt und dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass Kernkraftwerke wohl sehr viel schlimmer sind. Ebenso Kohlekraftwerke.<br \/>\nDann ging man dazu \u00fcber, uns dieses Projekt sch\u00f6n zu reden. Es w\u00fcrden Radwege entstehen. Der Tourismus w\u00fcrde bl\u00fchen. Aussichtplattformen waren geplant und sicher w\u00fcrde sich an diesen Stellen auch die Gastronomie ansiedeln. Hecken sollten gepflanzt,&nbsp; ein kleiner See renaturiert werden.<br \/>\nAm Ende dieser sonderbaren Veranstaltung gingen wir wieder nach Hause und sa\u00dfen noch lange zusammen um das alles zu verdauen.<\/p>\n<p>Wir bekamen Anrufe von Grundbesitzern, die um ihre Pacht f\u00fcrchteten.<br \/>\nSollten wir doch lieber wieder in die Gro\u00dfstadt ziehen und anonym bleiben?<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde die B\u00fcrgerinitiative von einem ortsans\u00e4ssigen Bauern zu einer Zusammenkunft in einen hiesigen Gasthof gebeten.<br \/>\nMan wird es nicht glauben. Wir h\u00f6rten einen sehr eindrucksvollen Bericht \u00fcber Traktoren und Regenw\u00fcrmer. Wenn ein Traktor z. B. mit Pflug \u00fcbers Feld f\u00e4hrt t\u00f6tet er unz\u00e4hlige Regenw\u00fcrmer. Wie grausam. Es sei doch&nbsp;viel besser ein Solarfeld zu bauen als dieses Tiersterben zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nEs war irgendwie sehr traurig, aber meine Lachmuskeln machten sich bald selbstst\u00e4ndig.<br \/>\nWir fragten noch, wieviel Pacht er von den Investoren f\u00fcr sein Land bekommen w\u00fcrde. Diese Frage blieb irgendwie unbeantwortet im Raum stehen.<br \/>\nDie Wirtin des Gasthofes erschien und bat uns unmissverst\u00e4ndlich, diese R\u00e4umlichkeiten zu verlassen. Wir hatten nicht genug an diesem Abend verzehrt.&nbsp; UPS&#8230;Es war 21.00 Uhr.<br \/>\nSchade, ich h\u00e4tte gern noch einige Fragen stellen wollen. Es sollte nicht sein.<\/p>\n<p>Bald gab es eine B\u00fcrgerversammlung im Saal der Stadt.<br \/>\nEine gut besuchte Veranstaltung.<\/p>\n<p>Einer der Stadtverordneten hatte Polizeischutz vorsorglich&nbsp;beantragt.<br \/>\nWir lachen heute noch.<\/p>\n<p>Beim Betreten des Saales sagte mit mein Bauchgef\u00fchl.<br \/>\n&#8222;Vorsicht, hier ist dicke Luft&#8220;!<br \/>\nUnd richtig. Die Stimmung war aufgeheizt. Wie konnten wir B\u00fcrger auf die Idee kommen Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>So zum Beispiel:<\/p>\n<p>Werden Steuereinnahmen der Stadt zugute kommen?<br \/>\nWerden Arbeitspl\u00e4tze geschaffen?<br \/>\nWelche Auswirkungen haben die Solarpaneele auf das Leben im direkt angrenzenden Naturschutzgebiet?<\/p>\n<p>Kurz und gut. Fazit war: Die Entscheidungshoheit liegt bei den Stadtverordneten.<br \/>\nDas wurde uns unmissverst\u00e4ndlich mitgeteilt.<br \/>\nMir kam nur das Wort&nbsp;&#8222;Gewinnoptimierung&#8220; in den Sinn.<\/p>\n<p>Wenige Tage sp\u00e4ter meldeten sich &#8222;DIE GR\u00dcNEN&#8220; bei uns.<br \/>\nTreffpunkt war unser Wohnzimmer.<br \/>\nWieder h\u00f6rten wir wie schlimm doch Kernkraftwerke seien. Und wir sollten uns nicht so haben. Diese Veranstaltung war im Fr\u00fchjahr 2010.<br \/>\nEinem der schneereichsten Winter \u00fcberhaupt. Zwei junge M\u00e4nner wollten sich das alles vor Ort anschauen.<br \/>\nWir zeigten ihnen den Weg. Ca. 1 Stunde sp\u00e4ter bekamen wir einen Anruf.<br \/>\nDie Jungs waren doch tats\u00e4chlich im Schnee stecken geblieben. Die beiden Fahrzeuge wurden von uns selbstverst\u00e4ndlich abgeschleppt.<br \/>\n(\u00dcbrigens Fahrzeuge ohne Katalysator, soo richtig gr\u00fcn)<\/p>\n<p>Unsere Gegenwehr verpuffte. Zu Hilfe kam uns ein Beschluss &nbsp;der Bundesregierung.<br \/>\nPhotovoltaik-Freifl\u00e4chenanlagen auf Ackerfl\u00e4chen wurden nicht mehr gef\u00f6rdert.<br \/>\nUnsere Stadtverordneten stimmten trotzdem diesen Vorhaben zu<br \/>\nund in diesem Sommer wurde der Bebauungsplan um 25 Jahre&nbsp;bis ins Jahr <strong>2060<\/strong> verl\u00e4ngert. Da haben unsere Kinder und Enkel noch etwas davon.<\/p>\n<p>Wir werden sehen, wie das weiter geht.<br \/>\nUnser Naturschutzgebiet hat europ\u00e4ischen Rang. Leider droht es jetzt auszutrocknen.<br \/>\nEin Solarpark in unmittelbarer N\u00e4he&nbsp;k\u00f6nnte es noch mehr austrocknen. Einfach durch die Reflektion des Sonnenlichtes.<br \/>\nDie Zahl der Tiere und Pflanzen verringert sich immer mehr.<\/p>\n<p>Manchmal habe ich den Verdacht die Frage nach der Umwelt findet hier gar nicht statt.<\/p>\n<p>Wenn die Traktoren hier vorbeidonnern muss ich immer an die Regenw\u00fcrmer denken.<br \/>\nUnd das treibt mir die Tr\u00e4nen in die Augen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nur nicht so Recht warum??????<br \/>\nVielleicht wegen Glyphosat,&nbsp;dem&nbsp;heute am h\u00e4ufigsten eingesetzten Unkrautbek\u00e4mpfungsmittel??<br \/>\nAuch in direkter Nachbarschaft zur Natur,&nbsp;den Menschen und Tieren&#8230;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Macht&#8217;s gut Nachbarn<\/p>\n<p>Bis zum n\u00e4chsten Kapitel<\/p>\n<p>der &#8222;Geschichten aus der kleinen Stadt&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Views: 1353<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bisher geschah &nbsp; Wir sind in diese kleine Stadt gezogen um Ruhe und Natur zu finden. 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