Inkoofen

Im Supermarkt ist es voll. Richtig voll.
Sämtliche Einkaufswagen waren im Einsatz. Gut, dass man diese schon vor geraumer Zeit rationiert hatte.
Die Kunden wirken sehr gehetzt. Keiner nahm auf den anderen Rücksicht. Hauptsache ICH, ICH, ICH.
Die Wagen quollen über. Alle. In einem der Wagen hatte ich so auf „die Schnelle“ ca. 10 Pakete Toastbrot gezählt. Das war doch ungesund, oder?

In der Obst und- Gemüseabteilung konnte ich sehen, wie eine Frau mit ihren bloßen Fingern jeden Apfel in die Hand genommen und gedreht und gedrückt hat. Gekauft hat sie keinen. Na, da kommt richtig Appetit auf.

Und der Mann, der gerade wieder mit seinem Einkaufswagen schnellen Schrittes, hereinkam, der war doch gerade eben schon mal da und ist mit 4 Bierkästen rausgelaufen. Jetzt war er wieder auf dem Weg zum Bierregal. Was hatte der vor? Wollte der Bierbäder machen? Immunisiert das oder was?
Ich gab meinen Platz am Rande des Tomatenregales auf und stürzte mich vorsichtig ins Getümmel. Vor mir, hinter mir und neben mir wurde geschnauft und geschnieft. Klar, viele trugen auch Masken, die schon mal bessere Zeiten gesehen hatten. Wenn ich einen dicken Wollschal vor dem Gesicht hätte, würde ich auch schnaufen.
Mittlerweile stand ich vor dem Konservenregal mit den Nudeln. Ich wollte nur eine Packung Spätzle kaufen. Da hörte ich es hinter mir schnaufen und ganz plötzlich schnellte eine große dicke Hand nach vorne und schnappte sich eben genau diese Packung Nudeln und warf sie in den bereits übervollen Einkaufswagen. Ich drehte meinen Kopf langsam nach links. Neben mir stand ein sehr großer, sehr dicker Mann in einer viel zu großen Jogginghose. Das war bestimmt Größe 10-mal XL. Dafür war der Pullover zu kurz und man schaute, ob es man es wollte oder nicht auf einen riesigen behaarten Bauch. Mich schüttelte es.
Der Mann schwitzte, Schweißperlen liefen über seine Stirn. Seine Brille war beschlagen und schmutzig war sie auch. Auf seinem Kopf standen noch ganz vereinzelt ein paar Haare. Lange Haare. Vielleicht übrig geblieben aus der Hippie-Zeit.
Der Mann schnaufte immer noch. Hoffentlich brach er jetzt nicht zusammen und ich musste mich um Hilfe bemühen. Aber nein, er ergriff das Wort: „Watt kiekense denn so? Allet in Ordnung mit Ihnen? Nich, des se mir hier zusammenklappen. Die Leute sind aber ooch alle anstrengend.
Koofen allet zusammen, watt se wahrscheinlich ja nich brauchen. Vastehe ick nich“.
Mit diesen Worten schob er seinen Einkaufswagen in die nächste Regalreihe, um noch weitere Lebensmittel aus den Regalen zu klauben.
Ich befürchtete schon, dass der Wagen dieser Belastung gar nicht gewachsen war. Im letzten Moment sah ich noch, wie er seine Maske runternahm und sich damit den Schweiß von der Stirn wischte, um sie dann gleich wieder aufzusetzen. Warum wusch ich unsere Masken eigentlich immer wieder und wieder?
Dann erreichte ich nach einer gefühlten Ewigkeit die Kühltruhen. Dort sah ich auch einen Mann, der unzählige Tüten mit Pommes heraus räumte, sich zwei davon in den Wagen schmiss, sich umdrehte und weiterging. Die Tüten blieben auf den Glasschiebedeckeln liegen. Und diese Glasschiebedeckel blieben natürlich offen. Machte man ja auch so.
Mittlerweile hatte ich jegliche Lust am Einkaufen verloren.
Auf dem Weg zur Kasse wurde ich von etlichen Einkaufseinheiten in großem Tempo überholt. Hatten die Angst, dass die Kassen einfach schließen würden?

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