Liebe schwer gemacht – Teil 2

Nele und Guido haben sich im Supermarkt kennen gelernt und möchten ihre Kontaktdaten austauschen. Das ist aber im Moment sehr schwer durchzuführen. Das seit dem 23. März 2020 bestehende Kontaktverbot regelt das ganz konsequent.

Sie stehen beide in einem Gang des Supermarktes und versuchen die Rufnummern zu tauschen.

„Ich konnte Sie nicht einfach gehen lassen. Ich weiß, wir dürfen uns nicht treffen, aber ich möchte Sie nicht verlieren. Ich möchte Sie wiedersehen“! Nele standen Tränen in den Augen. „Ja, das möchte ich auch, ich weiß nur nicht, wie das gehen soll. Ich darf ihnen ja noch nicht mal eine Visitenkarte geben.
Wissen Sie was wir machen? Wir schreiben jeweils unsere mobilen Rufnummern in die Hand und der andere schreibt sie ab“. Guido räusperte sich und man sah im an, dass er peinlich berührt war. „Ich habe nichts zu schreiben dabei“.
„Oh je, dann weiß ich jetzt auch nicht gleich eine Lösung“. Nele denkt angestrengt nach. Das wurde aber alle 30 Sekunden durch andere Kunden, die vorbei drängten, unterbrochen.
„Jetzt habe ich eine Lösung. Ich habe eine eigene Webseite. Du merkst Dir einfach die Internetadresse und da findest Du alle meine Daten“!
Guido lächelte Nele ganz verträumt an. Nele lächelt zurück. Nach einer Weile schaut sie aber dann doch etwas irritiert. „Was ist mit Dir, Guido“?
Guidos Augen wirken, als hätte er Drogen eingeworfen.
„Du hast „du“ gesagt“.
„Ah, habe ich das. Die Wirkung ist ja phänomenal. Dann sage ich das gleich nochmal“. Nele holt tief Luft und schaut Guido dabei ganz konzentriert an. „Du“! Und dann fängt sie an zu lachen.
Die Leute drehen sich verärgert um. In solch einer panischen Zeit hat man nicht zu lachen. Guido bekommt das natürlich mit und fängt ebenfalls an zu lachen.
Als die beiden sich etwas beruhigt haben sagt Nele: „So habe ich mich schon lange nicht mehr amüsiert. Danke, Guido. Und jetzt sage ich Dir die Anschrift meiner Webseite. Das ist ganz einfach“. In dem Moment werden die beiden unterbrochen. Ein Mann tritt zu ihnen heran und fordert sie auf die Unterhaltung endlich zu beenden und entweder ihren Einkauf zu tätigen oder das Geschäft zu verlassen.
Es hatten sich tatsächlich andere Kunden bei der Geschäftsleitung über sie beschwert. Der Mann wies ihnen mit seinem rechten Arm den Weg zu Tür und er tat das so, dass Nele und Guido keine Chance hatten noch weiter zu reden. Dann standen sie vor der Tür.
Nele ergriff das Wort:“ Bevor wieder etwas dazwischenkommt, hier meine Adresse: www.nele-schuster/texte.de,
kannst Du das Behalten? Eigentlich ist es ganz einfach, oder“?
„Ja, das merke ich mir. Ich bin schon ganz gespannt auf Dich. Das war doch unglaublich gerade, oder. Ich kann es noch nicht fassen. Ich glaube, ich muss nochmal hinein und kaufe diese Konservendose“.
„Das mit dem Einkaufen ist eine gute Idee, aber nicht hier in diesem Markt. Ich mache mich auf den Weg zum nächsten Markt. Kommst Du mit“? Guido schaut auf seine Armbanduhr. „Nee, das tut mir aufrichtig leid, aber ich habe in wenigen Minuten eine Telefonkonferenz mit meiner Firma. Ich arbeite doch jetzt, wie so viele, im Home-Office. Ich melde mich sobald ich kann, versprochen, Nele. Ich freue mich so, Dich getroffen zu haben“. Er reichte Nele wieder die Hand, merkte aber gleich, das war schon wieder verkehrt. Dann nahm er seine linke Hand und schlug damit auf seine rechte Hand.
Nele musste schon wieder lachen. Sie warf ihm eine Kusshand zu, drehte sich um und ging zu ihrem Auto. Bevor sie einstieg, drehte sie sich nochmals um und winkte Guido zu. Der stand immer noch auf der gleichen Stelle und schaute Nele hinterher. In allerletzter Sekunde merkte er sich noch, in was für ein Auto sie einstieg.
Ein kleiner blauer Nissan, soviel konnte er gerade noch erkennen. Dann war sie verschwunden.
Guido schaut noch einen kleinen Moment verträumt auf die Straße, aber dann sprintet er zu seinem Auto. Die Zeit drängte.
Nele fährt noch in einen weiteren Supermarkt und kauft ein paar Sachen ein, um die nächsten Tage versorgt zu sein.
Nachdem sie alle Lebensmittel verstaut hat, schaltet sie ihren Rechner an.
Aber der Bildschirm bleibt schwarz.
Sie versucht alle möglichen Tricks, aber nichts ist zu machen.
Sie greift zu ihrem Smartphon um den Computerservice im Nachbarort anzurufen.
Wie das Leben so spielt, bekommt sie nur die folgende Telefonansage zu hören: „Leider stehen wir aufgrund von Erkrankungen bei unserem Personal nicht direkt zur Verfügung. In der Zeit von 12 Uhr – 17 Uhr sind wir für sie telefonisch mit Rat und Tat wieder zu erreichen“.
Nele atmete tief durch. „Das passt ja wieder prima“, grummelte sie vor sich hin. Sie griff wieder zu ihrem Telefon und informierte ihren Arbeitgeber. Der war natürlich nicht begeistert und ließ sie das auch lautstark wissen. Nachdem sie aufgelegt hat, atmet sie tief durch und greift den Gedanken auf, der sie schon länger umtreibt. Sie wollte sich selbstständig machen, sich endlich loslösen von diesem Despoten.
Aber eins nach dem anderen. Sie nahm ihr Telefon erneut in die Hand, um es aufzuladen. Aber nichts passierte. Keine Anzeige mehr.
Das durfte doch alles nicht wahr sein. Jetzt war sie überhaupt nicht mehr handlungsfähig. Ihr wurde ganz heiß.
Nach ein paar Minuten des Nachdenkens schnappte sie sich ihre Tasche und den Autoschlüssel und fuhr zum Elektrofachgeschäft im Nachbarort.
Glücklicherweise konnte ihr geholfen werden. Sie erwarb ein neues Smartphon, konnte ihre alte SIM-Karte verwenden und war wieder einsatzbereit.
Als sie wieder auf dem Weg nach Hause war, musste sie lachen. Was war das nur für ein Tag. Voller Hoffnung auf weitere Hilfe, schaltet sie das Autoradio ein. Nach wenigen Minuten schaltet sie es auch wieder aus. Es gibt offensichtlich nur noch ein einziges Thema. Corona.

Dann schauen wir mal, wie diese Geschichte weitergeht.

Und Ihr bleibt bitte alle gesund.

Jutta

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