Liebe schwer gemacht

Seit heute gibt es das Kontaktverbot in Deutschland. Die Panik, die unser Volk ergriffen hat, ist unglaublich.
Glücklicherweise arbeitet Nele schon länger im Home-Office. Somit zählt sie nicht zu den Betroffenen, die plötzlich keinen Arbeitsplatz mehr haben und sie lebt auch nicht in der Großstadt.
Aber auch hier auf dem platten Land sind die Supermärkte leergefegt. Zumindest bestimmte Artikel sind absolute Mangelware. Warum ausgerechnet diese Rollen aus Zellstoff so begehrt sind, kann mir niemand erklären. Aber der Schwarzhandel blüht schon. Menschen sind in gewissen Situationen doch sehr erfinderisch.

Nele lebt schon längere Zeit allein und der Sinn nach einem weiteren Abenteuer mit einem Mann ist ihr nach der letzten, unliebsamen Episode vergangen. Sie redet sich das jedenfalls ein. Die einsamen Abende allein auf dem Sofa versucht sie zu verdrängen.
Heute Morgen beschließt sie als erstes in den Supermarkt zu fahren. Das darf man auch noch. Ansonsten gilt ab heute das Kontaktverbot in Deutschland.

„Danach ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur allein, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet“.

Nele hat diesen Satz mehrfach gelesen und festgestellt, dass sie da ganz schön blöd dasteht. Jetzt ist sie noch mehr allein, als sie es ohnehin ist.
Mit einem lauten Seufzer schnappt sie sich ihren Autoschlüssel, verlässt ihr kleines Häuschen am Stadtrand und macht sich auf den Weg zum nächsten Supermarkt. Dort angekommen braucht sie eine ganze Weile, um einen freien Parkplatz zu ergattern. Einkaufswagen gibt es keine mehr. Auch hier muss sie warten. Dabei den Abstand zu halten ist schon eine große Herausforderung. Aber endlich hat sie einen Wagen erwischt. Vorsorglich wischt sie den Haltegriff mit einem feuchten Tuch ab. Dann versucht sie unbeschadet durch den Eingangsbereich zu kommen.
Überall sieht sie leere Regale. „Das war ja zu erwarten“ grummelt sie vor sich hin. Bei den Konserven gibt es noch nicht einmal rote Bete.
Ganz plötzlich wird sie von hinten angerempelt.
Mit den Worten: „Ja, können Sie denn nicht aufpassen“, dreht sie sich um.
Vor ihr steht ein Mann und schaut sie ganz verdattert an.
„Entschuldigung, ich bin scheinbar über die allerletzte Konservendose gestolpert. Ich wollte ihnen bestimmt nicht zu nahekommen. Verzeihen sie mir. Und ich bin auch nicht infiziert. Sie müssen sich keine Gedanken machen“. Bei diesen Worten schaute er sie aus großen, blauen Augen an.
Nele hatte das Gefühl in diesen Augen zu ertrinken. Sie hatte plötzlich Herzklopfen. Fast war sie geneigt auf ihren Fitness-Tracker zu schauen, ob ihre Ruheherzfrequenz angestiegen war. Aber das machte sie natürlich nicht. Trotzdem konnte sie die Augen nicht von dem Mann lösen.
Die beiden schauten sich an und sagten nichts. Eine sonderbare Stimmung machte sich breit. In den anderen Gängen des Supermarktes schoben unzählige Kunden randvoll gepackte Einkaufswagen hin und her.
In dem Gang in dem Nele und der fremde Mann stehen ist keine Menschenseele.
Plötzlich leuchten die Augen des Mannes noch ein wenig mehr als vorher.
„Ich habe sie hier noch nie gesehen. Kann das sein“?
„Nein, eigentlich nicht. Ich wohne schon bald 20 Jahre hier in diesem Ort und gehe hier auch regelmäßig einkaufen. Allerdings selten um diese Tageszeit. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern ja auch ungewöhnliches Verhalten. Ich habe Sie somit auch noch nie hier gesehen und wahrscheinlich sind Sie sogar hier geboren“. Nele lächelte den Mann an. Er gefiel ihr. Er war nicht besonders groß, aber das war sie ja auch nicht. Er war auch nicht besonders schlank, aber das war Nele ja auch nicht. Es waren diese Augen und die dunklen Haare. Innerlich schüttelte sie den Kopf, bei so viel Unsinn. Es kam doch nicht auf diese Äußerlichkeiten an. Trotzdem lächelte sie, wie in einem Rausch, immer weiter. Um die Augen des Mannes bildeten sich unglaublich viele, kleine Fältchen. Die beiden standen in diesem Gang mit den leeren Regalen und schauten sich einfach nur an.
Der Mann räusperte sich und zeigte mit seiner Hand in Neles Einkaufswagen. „Sie haben noch gar nichts eingekauft“. „Na, dazu ist es nicht gekommen. Ich wurde von einem Mann ganz rücksichtslos angerempelt und dieser Mann versucht mich jetzt in ein Gespräch zu verwickeln“. Dabei grinst sie ganz diebisch und freut sich, als sie den verdutzten Gesichtsausdrück von ihrem Gegenüber sieht. Dann fangen beide an zu lachen. Der Mann reicht Nele die Hand. Im gleichen Augenblick zieht er seine Hand wieder weg. „Oh, Entschuldigung, das dürfen wir ja im Moment nicht. Jetzt hätte ich Sie beinahe dazu verführt etwas Verbotenes zu tun“. „Oh, das verstehe ich gut. Der Mensch ist ja schließlich ein Gewohnheitstier. Wir können uns aber auch so vorstellen.
Ich heiße Nele Schuster und Sie“? Ich höre auf den Namen Guido Malzmüller. Ja, und Sie dürfen jetzt lachen“! Und das machte Nele auch. Sie lachen beide und bei Nele machten sich so langsam Schmetterlinge im Bauch breit. In dem Moment kam ein Mitarbeiter des Supermarktes mit einem großen Rollwagen voller Kartons.
Jetzt mussten sie Platz machen. Dummerweise gingen beide in eine andere Richtung und gerieten jeweils in den Kundenstrom.
Nele schaute sich immer wieder um, konnte Guido aber nicht entdecken. Sie musste über sich selbst schmunzeln. Sie nannte ihn schon heimlich beim Vornamen. Plötzlich fühlte sie etwas auf ihrem Rücken. Sie drehte sich und entdeckte ein Tütchen Katzen Brekkies zu ihren Füßen. Als sie wieder aufschaute, stand Guido direkt vor ihr. „Ja, ich weiß, man wirft nicht mit Lebensmitteln. Aber ich kaufe diese Tüte ganz sicher. Ich bin doch ein Katzenfreund. Ich konnte Sie nicht einfach gehen lassen. Ich weiß, wir dürfen uns nicht treffen, aber ich möchte Sie nicht verlieren. Ich möchte Sie wiedersehen“! Nele standen Tränen in den Augen. „Ja, das möchte ich auch, ich weiß nur nicht, wie das gehen soll. Ich darf ihnen ja noch nicht mal eine Visitenkarte geben. Wissen Sie was wir machen? Wir schreiben jeweils unsere mobilen Rufnummern in die Hand und der andere schreibt sie ab“. Guido räusperte sich und man sah im an, dass er peinlich berührt war. „Ich habe nichts zu schreiben dabei“.

Wir die beiden dieses Problem lösen, werdet ihr nächsten Kapitel lesen…

Passt gut auf Euch auf

Jutta

Aufrufe: 106

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.