STADT LAND FLUCHT

Kapitel 1

Ich machte mal wieder Überstunden. Matteo saß mir gegenüber und schaute mich an.
„Nora, sagen Sie mal, gefällt Ihnen das noch so unter Druck zu stehen?
Hätten Sie Lust mit mir darüber zu reden und dabei zu dem neuen italienischen Restaurant zu gehen, eine Kleinigkeit zu essen und ein Glas Wein zu trinken? Dabei könnten wir über die geschäftliche Situation reden, aber vielleicht auch über uns. Also ich meine, über Nora Diesel und Matteo Maurer“?
Bei diesen Worten schaute mich Matteo mit glänzenden Augen an.
Dieser Matteo gefiel mir ausgesprochen gut. Aber sollte ich etwas mit einem Kollegen anfangen? Ich weiß nicht. Aber heute mit ihm zum Italiener zu gehen, das würde ich sehr gern tun.
„Matteo, da bin ich dabei. Ich liebe die italienische Küche und ich liebe es Wein zu trinken. Von mir aus, können wir sofort los gehen. Ich habe nicht die leiseste Lust auch nur noch ein einziges Wort zu schreiben! Ich muss nur noch alles speichern und den Desktop hinunterfahren.“
In meinem Bauch kribbelte es und mir wurde ganz warm.
Weintrinken mit Matteo, das gefiel mir richtig gut.
Ich sauste schnell nochmal zum Spiegel, um kleine Schönheitskorrekturen vorzunehmen und dann standen wir auch schon im Fahrstuhl und fuhren nach unten. Uns erwartete ein frühsommerliches Wetter. Das tat so gut aus der Klimaanlage heraus zu kommen. Wir beide atmeten tief durch und genossen die annehme warme Luft. Hier an der Spree waren viele Spaziergänger unterwegs und alle hielten ihr Gesicht in die Sonne.
Matteo und ich plauderten über alles Mögliche.
So zum Beispiel über Annegret Kramp – Karrenbauer als Verteidigungsministerin und ihre Vereidigung. Über Siebenhundert Abgeordnete wurden aus dem Urlaub geholt. Und nein, das Fliegen hat nichts gekostet und war auch zu hundert Prozent klimaneutral.
Bei solchen Themen konnte ich mich gut aufregen. Matteo ging es ähnlich. Wir fragten uns, warum Menschen wohl in die Politik gehen.
War es der Rausch der Macht? Waren das Menschen, die in der freien Wirtschaft keinen Bestand hatten und dann in die Politik wechselten, um dort in einem Ressort tätig zu sein, von dem sie null Ahnung hatten?
Wir stachelten uns gegenseitig an.
Nach kurzer Zeit waren wir uns einig, dass es viele Probleme in Deutschland und der Welt gab.
Matteo lachte. „Aber das schöne dabei ist doch die Vielfalt, oder“?
„Matteo, Sie haben ja eine satirische Ader. Das habe ich noch gar nicht festgestellt in all den Jahren. Aber, was ich festgestellt habe, Sie haben ein paar Pfund zugenommen und ich finde, das steht Ihnen ganz ausgezeichnet. Sie sehen jetzt nicht mehr so gequält aus, wenn ich das so sagen darf“. „Ach, Nora, das läuft ja runter wie Öl. Ich höre gern Komplimente. Und ganz besonders gern von solch charmanten und schönen Frauen wie Ihnen. Sie haben mir schon gefallen, als Sie sich hier vorgestellt haben. Und jetzt habe ich eine ganz besondere Frage, liebe Nora. Darf ich ab jetzt Du sagen“?
Mir wurde nach diesen vielen schönen Worten so richtig warm ums Herz.
Ich nahm an, meine Mundwinkel näherten sich gerade den Ohren. Aber das war mir egal. Ich strahlte Matteo an und hauchte einfach nur ein: „Ja“!
Daraufhin ergriff Matteo meine Hände und sagte einfach nur: „Du“!
„Das ähnelt jetzt ein ganz bisschen einer Szene aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Aber es gefällt mir“. Dabei strich ich mit meinem Daumen über den Daumen von Matteos Hand.
„Matteo, ich bin ganz schrecklich neugierig. Erzähl mir doch mal ein bisschen von Dir. Wir reden immer nur über Kunden und über das Zeitgeschehen, aber nie über private Dinge. Das finde ich grundsätzlich richtig gut in dieser Firma. Aber irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis, ein wenig mehr von Dir zu erfahren. Falls Du verheiratet bist, dann sag das bitte gleich. Dann kann ich nämlich diesen Flausen in meinem Kopf und meinem Herzen gleich sagen, sie sollen sich vom Acker machen. Ich gerate gerade in eine kopflose Situation, musst Du wissen“.
Und das sprudelte gerade einfach so aus mir heraus. Mir wurde noch wärmer, als mir guttat. Sicher sah ich mittlerweile aus wie eine Tomate.
Matteo grinste mich an. „Schau mal einer an. Das habe ich nicht zu hoffen gewagt. Nora, ich bin seit vier Jahren glücklich geschieden.
Ich habe einen Sohn, der ist 24 Jahre alt und heißt John. Er ist ebenfalls Webdesigner und ich bin durch ihn immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung. Meine Exfrau und ich haben immer noch guten Kontakt. Aber unsere Ehe war eine Katastrophe. Elsa ernährt sich im Wesentlichen von Knäckebrot und grünem Tee. Sie geht jeden Tag joggen und ist spindeldürr.
Mir hat sie noch nicht einmal ein Bier zum Feierabend gegönnt. Jeden Sonntag musste ich stundenlang durch den Tiergarten laufen.
Ich sollte mit ihr am Marathon teilnehmen. Ein Festessen bestand damals aus einer Tomate und einem Salatblatt. Heute können wir beide darüber lachen. Zusammen waren wir ein einziges Desaster. Und wenn ich Dir beim Essen und Trinken zuschaue, geht mir das Herz auf. Du hast eine solche wunderbar gerundete Figur. Davon kann man nur träumen“.
Mein Herz klopfte immer lauter. Das was Matteo da erzählte, konnte ich so gut nachvollziehen. Ich hatte auch mal einen Ehemann, der immer nur rumnörgelte. Ich war immer zu dick, meine Haare waren immer zu kurz und nie blond genug. Ich konnte von Matteos Worten gar nicht genug bekommen. „Das tut so gut. Ich könnte Dir stundenlang zuhören, mein Lieber“.
In diesem Moment kam der Kellner mit zwei kleinen Gläsern Sekt.
„Sie sind so ineinander vertieft, da dachte ich mir, ich bringe den Verliebten mal etwas zum Trinken. Das geht aufs Haus.
Möglicherweise möchten Sie ja etwas bestellen“.
Dabei grinste der Mann von einem Ohr zum anderen.
Matteo wurde ganz verlegen. „Man, das haben wir ja völlig vergessen.
Ich würde sagen, meine liebe Nora, wir nehmen erstmal die Antipasto Siciliana und dann sehen wir weiter“.
Der Kellner nickte und verschwand wieder so leise, wie er gekommen war.
„Sag mal, Matteo, wo kommt eigentlich der Name Matteo her“?
„Der Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so etwas wie Geschenk. Aber er ist auch die spanische und italienische Variante von Matthias oder Matthäus“.
Ich musste lachen. „Geschenk gefällt mir, um das mal in der Sprache der neuen Medien auszudrücken. Falls jetzt die Frage aufkommt, woher mein Name kommt, kann ich diese sofort beantworten.
Der Name kommt aus dem germanischen und heißt so viel, wie die >Glänzende aus dem Norden<. Ich bitte aber jetzt auf jeglichen Kommentar zu verzichten“.
Jetzt mussten wir beide lachen und wir fassten uns bei den Händen.
Die Vorspeisenplatte stand schon eine ganze Weile völlig unberührt vor uns. Der Kellner lief an uns vorbei und räusperte sich vernehmlich. Wir beide schauten hoch und mussten schon wieder lachen. Jetzt ließen wir es uns erstmal ordentlich schmecken. Dabei erzählte ich Matteo von meiner Leidenschaft für die Berliner Geschichte. Ich erzählte von Bolle und Borsig und auf welchem historischen Grund wir hier saßen oder auch arbeiteten.
„Und weißt Du Matteo was ich ganz furchtbar finde? Die heutige Jugend hat von all diesen Dingen nicht die leiseste Ahnung. An den Grundschulen wird immer noch >Schreiben nach Gehör< gelehrt. Das ist doch unfassbar. Neulich in der U-Bahn habe ich zwei Jungen belauscht.
Der eine fragte den anderen, ob er schon mal was von der Mauer in Deutschland gehört habe. Der andere schüttelte nur den Kopf. So etwas gibt mir zu denken“.
„Weißt Du, Nora, was ich die ganze Zeit denke? Warum bist Du nicht irgendwo in einer Vorstandsetage. Du hast so gute Ideen und kannst diese so wunderbar überzeugend vortragen. Du gehörst nicht nur an irgendeinen Schreibtisch“.
Diese Bemerkung freute mich wirklich sehr, die Antwort hatte ich aber auch schon parat: „Ich habe die Nase gestrichen voll davon, mich immer gegen die Männerwelt durchsetzen zu müssen. Ich habe mich dazu entschieden, einfach nur kreativ arbeiten zu wollen, ohne mich zu verbiegen. In dieser Männerwelt möchte ich nicht mehr arbeiten. Ich muss allerdings sagen, hier in unserer Firma finde ich es auch nicht mehr lustig. Der Druck wächst von Tag zu Tag. Immer mehr Arbeit für den einzelnen. Die Zeiten, die für die einzelnen Aufträge zur Verfügung stehen, werden immer kürzer. Man hat nicht mehr die geringste Muße, sich etwas Neues oder Gutes einfallen zu lassen. Ich denke schon länger über eine Änderung in meinem Leben nach“.
Diese Worte sprudelten einfach so aus mir heraus und Matteo schaute mich mit großen Augen an.
„Weißt Du Nora, mir geht das ganz genauso. Manchmal habe ich schon gedacht, der einzige Grund, warum ich noch in dieser Firma arbeite bist Du. Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit komme und ich Dein bezauberndes Gesicht vor mir sehe, denke ich, du kannst hier nicht einfach gehen. Solch eine Ansicht bekommst Du nie wieder. Und jetzt, liebe Nora, stelle ich Dir mal die gleiche Frage, die Du mir schon gestellt hast. Wie sieht dein Privatleben aus? Hast Du einen Mann, Freund oder ähnlich? Hast Du Kinder“?
„Das ist ganz schnell beantwortet. Einen Mann hatte ich mal und die Gründe warum wir nicht mehr verheiratet sind, sind Deinen Gründen sehr ähnlich. Ich musste wohl nicht joggen, aber ich war meinem Mann äußerlich nie gut genug. Aber das noch viel größere Problem zwischen uns war mein Selbstbewusstsein.  Kinder habe ich keine. Leider oder glücklicherweise, das kommt immer auf die Sichtweise an.
Meine Eltern und mein Bruder leben nicht mehr. Das bedauere ich sehr. Das ist aber nicht zu ändern. Ich habe noch ein paar ganz entfernt wohnende Verwandte, die ich noch niemals in meinem Leben gesehen habe. Irgendeine Tante ist mal irgendwann ausgewandert und hat viele Kinder in die Welt gesetzt. Aber etwas ganz anderes ist passiert und das ist ein Jahr her. Ein Schreiben vom Amtsgericht hat mich davon unterrichtet, dass ich geerbt habe. Und Du wirst es nicht glauben, ich habe ein riesiges Haus mit einem riesigen Garten drumherum geerbt. Und dieses Grundstück ist ca. 40 km von hier entfernt. Grunow heißt dieser kleine verschlafene Ort und befindet sich in Ostbrandenburg“.
Warum ich das jetzt alles ausplauderte, war mir nicht so recht bewusst, aber Matteo hörte mir die ganze Zeit sehr aufmerksam zu.
„Nora, ich weiß jetzt nicht so recht, was ich sagen soll. Aber diese Geschichte mit dem Erbe ist ausgesprochen interessant. Ich habe mich in der letzten Zeit auch umgesehen, ob ich in der Nähe von Berlin ein Grundstück finden kann oder ob es Mietobjekte gibt. Aber das ist schwierig geworden. Oder auch einfach nur unerschwinglich“.
Wir hatten mittlerweile alles aufgegessen und auch alles ausgetrunken.
Ich hatte Lust noch etwas spazieren zu gehen. Ich rief den Kellner und bat um die Rechnung. „Sag, Matteo, wollen wir noch ein wenig an der Spree entlanglaufen und Du zeigst mir wo Du wohnst und ich zeige Dir, wo ich wohne“? „Das machen wir und lass mich zahlen. Ich hatte schließlich auch die großartige Idee, mit Dir hier und heute herzukommen“.
Als wir dann draußen vor dem Restaurant standen, nahm er mich an die Hand und wir liefen Richtung Spree. Nachdem wir die Moabiter Brücke überquert hatten, blieb Matteo plötzlich stehen und nahm mich in die Arme. Dabei blickte er mir in die Augen. „Von dem Moment habe ich den ganzen Abend geträumt“. Und schon spürte ich seinen Mund auf meinem Mund. Dann vergrub ich meine Nase in seiner Halsbeuge und sog begierig seinen herben Duft ein. Wir bemerkten nicht, dass ein Gewitter aufgezogen war. Es wurde immer dunkler und dunkler. Blitze zuckten über den Himmel und spiegelten sich in der Spree. Matteo zog mich mit sich in den nächsten Hauseingang. Dort küsste er mich ausführlich und ich hatte dem nichts entgegen zu setzen.
„Nora, Du bist einfach perfekt. Du bist absolut loyal, zuverlässig und kreativ. Du bist freundlich und hilfsbereit. Du siehst bezaubernd aus und dein Humor ist einfach genial. Also, um das ganz zu sagen, Du hast alle guten Eigenschaften, die auch habe. Eine perfektere Kombination gibt es nicht“.
Mir standen die Tränen in den Augen vor Rührung. „Matteo, war das jetzt eine Liebeserklärung? So etwas hat noch nie jemand zu mir gesagt.
Das darfst du ab jetzt gern regelmäßig machen“. Im Hintergrund kam das Gewitter immer näher und Wind war aufgekommen. Im Haus wurden die Fenster geschlossen. Eine Katze lief noch schnell ins Haus hinein. Blitz und Donner waren jetzt immer näher beieinander. Die Wellen der Spree wurden immer höher und zwei Ausflugsboote versuchten noch an der Anlegestelle festzumachen.
„Ein besseres Spektakel für dein Liebeserklärung hätte noch nicht mal die Staatsoper hinbekommen“. Ich gluckste vor mich hin. Matteo schaute mich mit gerunzelter Stirn an, fing dann aber an herzlich zu lachen. „Das war die Inszenierung Jahrhunderts. Da werden wir noch lange dran denken.

„Sage mal Nora,
wie weit ist es zu Dir“?
Und ich antwortet wie aus der Pistole geschossen:
„Weit ist es, weit“.
Matteo schoss zurück:
„Und weit ist es zu mir“.
Wir schüttelten beide mit dem Kopf.
Wir hatten, ohne es geplant zu haben drei Zeilen aus einer Geschichte von Ingeborg Bachmann rezitiert.
„Matteo, Du kennst Ingeborg Bachmanns >Undine geht<? Das ist unfassbar. Warum hast Du Dich erst jetzt in mein Leben geschlichen?
Mir wird ganz komisch zumute. Darf ich Dich noch zu einem Bierchen auf meinem Balkon einladen? Was meinst Du? Vielleicht rezitieren wir noch ein paar Gedichte“? Ich grinste ihn an. Und was machte er? Er hielt sich die Hand ans Kinn und legte die Stirn in Falten. „Das kommt jetzt aber völlig unvorbereitet. Ich wollte heute noch einige Yoga – Übungen machen. Auf jeden Fall den Sonnengruß und den hinabschauenden Hund. Vielleicht auch noch das Dreieck und den Krieger. Was meinst Du, könnte ich das auch bei Dir tun“? Er schaut mich dabei ernst an. Und ich schaue ebenso ernst zurück. Fast gleichzeitig fassten wir uns bei den Händen und liefen los.
Der Regen war vorbei und wir genossen die Regenluft. Nach wenigen Minuten sind wir am S-Bahnhof Bellevue. Es war nicht mehr viel Betrieb und wir hörten die Bahn leise zischen und pfeifen. Für mich war das immer wie nach Hause kommen. Und schon waren wir das.
Nachdem ich die Haustür aufgeschlossen hatte, begegneten wir natürlich meiner hochverehrten Nachbarin. Die musterte uns beide von oben bis unten und säuselte mit verkniffener Miene: „Na, mal wieder einen Mann aufgegabelt“? „Ja, hoch verehrte Frau Nachbarin. Ich gönn mir mal wieder was Gutes. Ich hoffe, Sie sind nicht neidisch“!
Diese Worte machten so richtig Spaß und ich glaube, man sah es an meinem Gesicht, wieviel Freude mir dieses Spiel machte.
Matteo amüsierte sich offensichtlich sehr. Es hielt dieser Zicke von Nachbarin die Haustür auf und verbeugte sich artig und wünschte ihr eine zauberhafte Nacht. „Endlich mal ein Mann mit guten Manieren. Verschleißen Sie den nicht wieder, Frau Diesel“! Mit diesen Worten rauschte sie in die Nacht hinaus. Matteo schloss die Tür und grinste.
„Die Sorte von Nachbarn gibt es wohl auf der ganzen Welt und sie werden meines Erachtens auch nicht aussterben. Aber jetzt sag mir mal, wie hoch ist Dein Männerverschleiß so im Schnitt. Da muss ich mich doch drauf einstellen“! Ich lachte nur und reichte ihm meinen Arm. „Darf ich Dich jetzt in meine Männerhöhle schleppen, verehrter Matteo“?
„Mit dem allergrößten Vergnügen, verehrte Nora“.
Und so giggelten wir die Treppe hinauf in die erste Etage.
Als wir in der Wohnung angekommen waren, war ich mich nicht so ganz sicher, was ich eigentlich wollte. Wollte ich mit Matteo die Nacht verbringen, wollte ich noch mit ihm lachen und erzählen, wollte ich ihn überhaupt noch gehen lassen? Ich wusste es nicht so genau. Es war mir aber auch egal. Ich ließ es jetzt einfach laufen. Ich kannte mich selbst nicht wieder. Und das freute mich sehr.
„Matteo, gehe doch schon mal auf den Balkon, ich komme gleich mit dem Bier. Möchtest Du auch einen Whiskey“?
„Aber sicher doch. Ich möchte alles, was Du auch willst“.
Bei diesen Worten zeigte ich ihm den Weg zum Balkon. Und er lief auch gleich los. Ich sah noch, wie er sich im Wohnzimmer kurz umsah und nickte. Es schien ihm bei mir zu gefallen.
Bald saßen wir beide auf dem Balkon und prosteten uns zu.
„Nora, hier bei Dir gefällt es mir sehr. Sehr gemütlich. Du hast hier eine persönliche Note hereingebracht. Und der Blick hinüber zu dieser riesigen, großen alten Platane ist perfekt.  Denkst Du eigentlich darüber nach, ob Du nach Grunow ziehen möchtest? Würdest Du hier alles aufgeben“? „Ach, Matteo, ich weiß es nicht. Allein möchte ich nicht dorthin ziehen. Das ist mir bestimmt zu einsam. Das Grundstück liegt nicht weit entfernt vom Wald. Aber ich glaube im Winter würde ich mich vielleicht ein wenig gruseln. In der Straße, in der dieses Grundstück liegt, gibt es noch keine Straßenbeleuchtung. Nur so uralte Funzeln aus den fünfziger Jahren. Du könntest da also auch ein Teelicht hinstellen. Das hat den gleichen Effekt. Hier allein zu leben finde ich nicht so schlimm. Den ganzen Tag über bin ich mit Kollegen zusammen. Und ich hatte ja schließlich vier Jahre lang das Vergnügen, dir gegenüber zu sitzen. Das war das reinste Vergnügen. Jetzt habe ich Dich sogar auf meinen Balkon gelockt“. Ich zwinkerte Matteo zu. Und der lächelte sein verführerisches Lächeln. „Nora, weißt Du, wie es jetzt mit uns weitergehen soll? Ich bin ein wenig unsicher. Das ist mir auch noch nicht passiert. Du hast eine so große Selbstsicherheit. Das bin ich gar nicht gewohnt. Ich fühle mich ein bisschen, wie ein Schuljunge vor dem ersten Kuss“.
Ich schaute ihm jetzt einfach nur in die Augen und er hielt meinem Blick stand.
So ging das mehrere Minuten. „Nora, verflixt noch mal. Jetzt sag mir endlich, wo dein Bett steht“! „Das wird aber auch Zeit“!
Ich stand auf, genauso wie Matteo. Dann nahm dieser Mann mich einfach auf den Arm und verlangte konkrete Anweisungen, in welcher Richtung er laufen sollte. Unglaublich. Ich dirigierte ihn zum Schlafzimmer. Mit dem Fuß stieß ich die angelehnte Tür auf und schon wurde ich ganz sanft auf das Bett gelegt. Matteo landete neben mir und wir versanken ineinander.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lagen wir aneinander gekuschelt unter der Bettdecke.
„Ich kann nicht glauben, dass Du keinen Freund oder Mann hast. Aber ich muss sagen, ich finde das richtig gut. Aber, was rede ich denn da. Du hast jetzt einen Mann. Und zwar mich. Du hast jetzt genau zehn Sekunden, um das zu dementieren“. Ich hielt mir vorsichtshalber die Hand vor den Mund und schaute auf den Sekundenzeiger vom Wecker.
Mit den Fingern der anderen Hand zählte ich die Sekunden.
„Puh, geschafft. Ich habe tatsächlich zehn Sekunden lang nichts gesagt. Ich finde, da habe ich eine Belohnung verdient. Findest Du nicht, Du geliebter Matteo“? Schon spürte ich Matteos Mund auf meinem Mund und wieder vergaßen wir die Zeit.

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Falls sich jemand tatsächlich hinreißen lässt, dieses Buch zu lesen, über Rezensionen würde ich mich sehr freuen……
Viel Spaß

Eure Jutta

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