Wolken am Himmel über Brandenburg – Teil 4

Hanna und Harry kündigten als erstes ihren Mietvertrag.
Und  am Freitag fuhren wieder nach Brandenburg. Das Auto vollgepackt bis obenhin.
Die Begrüßung war so herzlich wie immer. Hanna erzählte stolz von dem Notartermin am kommenden Montag.
Harry und Hans begannen das Auto auszuladen und die Sachen in die erste Etage zu tragen.
“Sag mal Hans, wo müssen wir uns hier hinwenden, wenn wir das mit dem Internetanschluss schnell erledigen wollen”? “Da gehst Du am besten zu unserem örtlichen Electronic – Anbieter. Aber ob das schnell geht, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht hat Du ja Glück. Ich werde ein gutes Wort für Euch einlegen.
Die Zeit raste. Das Wochenende verging wie im Fluge. Hanna und Harry versuchten sich wenigstens provisorisch in ihren Zimmern einzurichten.
Wenn das Wetter es zuließ waren sie auf dem Grundstück unterwegs und überlegten, wo ihr Bungalow denn stehen könnte. Das war aber ziemlich bald klar. Sie wollten auch einen Blick auf den See haben.
Sowohl von der Küche als auch vom Wohnzimmer aus. Lisa und Hans waren mit allem einverstanden.
Der Termin beim Notar war schnell vorbei. Die Vier erzielten ein schnelle Einigung.
Dann ging es darum einen Architekten zu finden um schnellst möglichst den Antrag beim Bauamt einzureichen. Es gab viel zu tun…
Am Mittwoch fuhren Hanna und Harry schon um fünf Uhr morgens wieder nach Berlin. Sie versprachen schon am Donnerstag wieder zu kommen. Hanna würde dann bei Lisa und Hans bleiben.
Zeichnen konnte sie überall. Und es gab in der nächsten Kreisstadt tatsächlich noch ein Internetcafé.
Dort konnte sie dann mit ihrem USB Stick ihre Arbeiten an den Verlag schicken. So war sie wenigstens zur Stelle, wenn es die nächsten Termine gab. Aber es lief alles nicht so rund, wie es sollte.
Der eventuelle Nachmieter war wieder abgesprungen. Ständig wurden von der Wohnungsbaugenossenschaft neue Bewerber geschickt. Die machten einfach Termine aus ohne das vorher mit Harry zu klären. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Keine seine Arbeiten wurden termingerecht fertig.
Dann  hatte sich doch ein Nachmieter gefunden. Der würde in sechs Wochen einziehen und würde sogar die fällige Renovierung übernehmen. Harry hatte sich mit ihm geeinigt. Offensichtlich waren damit beide Parteien zufrieden. Jetzt galt es eine Umzugsfirma zu beauftragen. Aber das war wohl das geringste Problem. Und schon saßen sie wieder in der Küche bei einem späten Frühstück. Hanna erzählte von dem Internetcafé. Dort ging es wohl ziemlich gruselig zu. Es war immer gut besucht von jungen Leuten. Das war nicht das Problem. Aber es war immer sehr laut und die jungen Menschen, vornehmlich junge Männer waren meist betrunken. Überall lagen leere Bierflaschen und die Aschenbecher quollen über. Den Inhaber interessierte das nicht die Bohne. Das Ordnungsamt war scheinbar überlastet und die nächste Polizeidienststelle weit weg. Und der Ortsvorsteher war wohl eher eine mutige Laune der Natur. Offensichtlich war das ein Amt, was sonst keiner wollte. Hannas Laune war nicht besonders.

Draußen wehte ein eisiger Wind. Fast alle Blätter waren schon abgefallen und nach der Umstellung auf die Winterzeit war es schon sehr früh dunkel.
Dann hatten Hanna und Harry ein paar Stunden für sich. Harry nahm seine Frau in die Arme.
“Ich bin so froh, Dich mal wenigstens für eine Stunde für mich allein zu haben. Wir sind es ja überhaupt nicht gewohnt mit anderen zusammen zu wohnen. Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig”. “Ja, da hast Du Recht, Harry. Aber das kriegen wir schon hin. Es ist ja auch nur eine begrenzte Zeit. Lisa und Hans geben sich so viel Mühe. Aber auch für die beiden ist es anstrengend. Sie sind ja auch noch ein paar Jährchen älter als wir. Harry sah zu Hanna hinüber und fragte:
“Sag mal, hast Du denn schon mal einige Nachbarn von Hans und Lisa kennen gelernt”?
Hanna zögerte mit der Antwort. Ja, hm, ja, habe ich, aber das war nicht so der Volltreffer. Die direkten Nachbarn wollten alles haarklein wissen. Die haben so lange gefragt, bis Hans schon fast wütend wurde. Und so kennen wir ihn ja überhaupt nicht. Und die anderen haben ihn gewarnt vor den Menschen aus dem Westen, also den Kapitalisten. Denen hat er die Tür vor der Nase zugemacht”. “Da steht uns wohl noch einiges bevor”.
Harry runzelte die Stirn. Hanna legte ihm die Hand auf sein Knie. “Das ist bestimmt überall so in den ländlichen Gemeinden. Die Menschen wollen einfach nicht mehr in den hektischen Großstädten sein. Es wird überall immer voller und voller. Und die Menschen in den kleineren Orten im Umfeld der Großstädte wollen unter sich bleiben. Sie verabscheuen jede Veränderung”. 
Das Wochenende verging wie im Fluge. Harry fuhr am Montag wieder nach Berlin und Hanna begann das neue Zuhause gemütlich zu machen. Am Nachmittag war es dann soweit und sie konnte beginnen zu zeichnen. Die Kindergeschichte hatte den Titel: “Frösche, Störche und Prinzen”. Draußen wurde es schon langsam dunkel. Das war für Hanna schon eine Umstellung. In Berlin war immer alles beleuchtet, von der Straßenbeleuchtung, den vielen Schaufenstern und Autoscheinwerfern. Das alles gab es hier nicht. Das sprach sie dann auch aus. Hans antwortet ihr: “Wir werden hier auch bald Straßenbeleuchtung bekommen, aber die müssen wir zu 90 % selber finanzieren. Jedoch ohne Mitspracherecht. Das hat sich schon eine Bürgerinitiative gegründet. Das kann ja so nicht funktionieren”. Hanna machte große Augen. “Über welche Summen reden wir denn”? “Ich schätze wir werden ca. 600 € zahlen müssen. Wir haben ja auch ein sehr großes Grundstück. Wenn wir Glück haben und wir mitreden dürfen, dann können wir selber bestimmen, wo die Laternen aufgestellt werden. Wenn nicht, dann werden sie nach Schema F aufgestellt. Also möglicherweise an Stellen, die uns überhaupt nicht nutzen. Wir fänden es schön, wenn die Laternen zum Beispiel an unseren Gartentor aufgestellt würden und nicht dort wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen. Jetzt hat sich unsere Wohnsituation ja auch verändert. Ihr wollt sicher eine eigene Einfahrt usw.. Das gibt viel Diskussionsstoff mit der Verwaltung unserer Gemeinde”.
Hanna nickte die ganze Zeit über mit dem Kopf. “Da kommt wohl einiges auf uns zu”. Mittlerweile war es stockdunkel draußen. Viel ging ihr gerade durch den Kopf. Aber offensichtlich war es nicht ganz so einfach seinen Wohnort zu verlegen. Das war nicht nur das Renovieren und das Möbel räumen. Es musste viel Bürokratie bewältigt werden und auf das neue Umfeld musste man sich auch neu einstellen. Plötzlich war man ein Fremder und doch nur 35 km von seinem Geburtsort entfernt. Hanna hatte beobachtet, dass die Gardinen an den Fenstern der Nachbarn in Bewegung waren, wenn sie unterwegs war. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, was alles so erzählt wurde.
Vielleicht fand sie zu gegebener Zeit einmal die Muße diese ganzen Themen in die Tierwelt zu übernehmen und eine Geschichte für ein Kinderbuch zu schreiben und natürlich auch zu illustrieren.


Ja, gut Ding will Weile haben…

Bald werden wie mehr erfahren. Bis dahin

Machts gut

Eure Jutta

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