Wolken am Himmel über Brandenburg – Teil 3

Hanna und Harry hatten beschlossen sich nun endgültig ein Grundstück in Brandenburg zu kaufen.
Wohlwissend, das das nicht einfach werden würde.

Und hier geht es weiter:

Bald gingen sie schlafen und am nächsten Morgen saßen sie beide vor dem Bildschirm und schauten auf die Landkarte. Schon bald stand der Schlachtplan fest. In der folgenden Woche konnten beide ihre Arbeit so verschieben, dass 2 Tage für Erkundungsfahrten zur Verfügung standen.
Als sie dann drei Tage später unterwegs waren, fanden sie kein passendes Grundstück. Dafür verliebten sie sich in die Natur. Besonders angetan waren sie vom Verlauf der Spree. Dieser kleine Fluss trödelte so langsam in großen Kurven der Stadt Berlin entgegen. So ruhig und friedlich. Die Herbststimmung stimmte beide ein wenig wehmütig.
Wieder war es Hanna, die es auf den Punkt brachte:
„Den Traum von einem eigenen Haus mit Garten können wir wohl vergessen oder wir verschulden uns bis zum Rest unseres Lebens“. „Da hast Du einerseits Recht, aber andererseits habe ich keine Lust die Flinte schon ins Korn zu werfen. Wir werden am Samstag mit Hans und Lisa darüber reden. Vielleicht haben sie ja eine Idee oder auch Kontakte. Die beiden leben doch schon immer dort und kennen alle Menschen. Das wäre doch gelacht“.
„Also gut. Da bin ich dabei. Wir müssen noch überlegen, was wir den beiden mitnehmen. Für Lisa besorge ich einen großen Blumenstrauß, so richtig herbstlich und ich nehme ihr eine Ausgabe von meinem letzten Kinderbuch „Holger und das Eichhörnchen“ mit“. Henry grinste: „Für Hans besorge ich eine Flasche von „dem guten Weinbrand“. Ich glaube, dann haben wir jetzt alles geklärt.
Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge.

Am Samstag standen die beiden wieder früh auf. Tranken eine Tasse Tee und begnügten sich mit einer halben Scheibe Toast, damit sie nicht mit knurrendem Magen bei Hans und Lisa ankamen.
Und das war auch gut so. Samstags wurde ja immer wieder gerne in Berlin demonstriert.
Sie mussten eine gigantische Umleitung fahren.
Hanna rief bei den Schmidtkes an, um von ihrer Verspätung zu erzählen. Und dann kamen sie doch irgendwann an. Sofort war wieder diese innere Verbundenheit zu spüren. Es wurde gelacht und erzählt.
Harry hatte so viele Fragen. Nach dem ausgiebigen Frühstück lud Hans Hanna und Harry zu einem Rundgang ein.
Lisa blieb im Haus und räumte den Tisch ab.

Hans führte die beiden als erstes zu dem kleinen See.
Ganz versteckt zeigte er ihnen ein kleines Bootshaus mit dem dazugehörigen Kahn.
Alles war hinter einem Schilfgürtel versteckt. Hanna seufzte nur. Dann ging es weiter über eine ausgedehnte Streuobstwiese.
Den Abschluss bildete der große Gemüsegarten und ein Gewächshaus.
Hanna fragte Hans: „Sagt mal, wie schafft ihr beide denn die ganze Arbeit. Lisa hat es im Rücken und Du ziehst Dein rechtes Bein hinterher?
„Ach, weißt Du Hanna, wir würden so gern ein großes Stück von unserem Grundstück verkaufen, aber wir finden niemanden mit dem wir hier wohnen wollen“.

Hanna und Harry schauten sich an und konnten es nicht glauben. Dann schauten sie Hans an und begannen wieder zeitgleich zu reden.
„Na, jetzt mal einer nach dem anderen. Was wollt Ihr mir denn sagen?“
Diesmal war Harry wieder schneller als Hanna. „Weißt Du Hans, wir sind schon so lange auf der Suche nach einem Grundstück. Und das hier ist mehr als perfekt. Wir könnten Euch auch bei der Arbeit helfen. Ein guter Ausgleich für zwei, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen“!
Hans schaute beide nacheinander an und sein Gesicht strahlte vor Freude.
Dann rief er so laut er konnte: „Lisa, kommst Du mal bitte“!
Es dauerte nicht lange und Lisa stand vor ihnen. Die Hände hatte sie ins Kreuz gestemmt.
„Was gibt es denn so Dringendes“? “Hanna und Harry wollen uns ein Stück von unserem Grundstück abkaufen. Ist das nicht ein Traum. Sie wollen uns dann bei unserer Arbeit unterstützen. Ich kann das gar nicht glauben“!
Und jetzt fing auch Lisa an zu strahlen. „Das glaube ich jetzt nicht. Ist das wirklich wahr“?
Dann verschwand sie plötzlich und die drei anderen schauten ihr ganz verdutzt hinterher.
So schnell, wie sie verschwunden war, so schnell kam sie auch wieder zurück. Ein kleines Tablett mit vier Gläsern und „dem guten Weinbrand“.
„So, jetzt bin es mal, die eine Runde ausgibt. Das muss gefeiert werden. Lasst uns auf die Veranda gehen. Dort haben wir noch etwas von der Herbstsonne.
Und nach wenigen Minuten hatten sie es sich auf der Veranda gemütlich gemacht. Hans begann mit den Worten:
„Habt Ihr Euch das auch gut überlegt? Ihr seid dann nicht mehr in der Stadt.
In den Wintermonaten kann es hier sehr einsam sein. Bis hier der Schnee geräumt wird, geht die Sonne meist schon wieder unter. Alle Wege sind weit. Das Einkaufen nimmt viel Zeit in Anspruch.
Wenn Ihr etwas besonders braucht, ist ein Tag ganz schnell vorbei und alle Arbeit bleibt liegen.
Ich will Euch das nicht ausreden, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich aber verpflichtet, Euch über alles zu informieren“. Hanna nickte.
„Weißt Du Hans, das haben wir uns alles sehr genau überlegt. Wir haben Nächte zusammengesessen und Listen geschrieben. Plus und Minus gegenüber gestellt. Sollten wir noch Kinder bekommen, wissen wir auch, dass wir dann tägliche Autofahrten vor uns hätten. Aber wir sind ja in der glücklichen Lage, dass wir uns unsere Zeit sehr gut einteilen können. Wir haben keine festgeschriebenen Arbeitszeiten. Wir müssen nur pünktlich liefern. Ich bin mir sicher, dass ich hier draußen sehr viel mehr Inspiration und Ruhe finde als in dem lauten und stressigen Berlin“.
Harry stimmte ihr zu.
„Dann sollten wir uns genau überlegen, welchen Teil Ihr von dem Grundstück haben möchtet. Von mir aus können wir noch diese Woche zu einem Notar gehen und das Ganze klären. Dieses Jahr wird das ganz bestimmt nichts mehr mit einem Baubeginn, aber zum Frühjahr sollte das auch das Bauamt hinbekommen. Ihr könnt solange auch gern unser Obergeschoss nutzen. Das steht genau genommen immer leer. Zwei große Zimmer, zwei kleine Zimmer, eine kleine Küche und ein Badezimmer. Vielleicht reicht das ja für den Anfang und ihr könnt die Miete für Eure Wohnung in Berlin sparen“. „Wow, das ist ein so großzügiges Angebot. Was meinst Du Harry, können wir das überhaupt annehmen“? „Ich glaube Hans und Lisa meinen das ernst“.
Und wieder wurde es ein langer Abend. Lisa sagte, irgendwann: „Ich glaube ihr solltet heute Nacht einfach mal probewohnen. Ich richte Euch ein Zimmer her und dann können wir auch noch eine Flasche Wein zusammen trinken“. 
Weit nach Mitternacht sanken Hanna und Harry ins Bett und hielten sich noch ganz lange fest umschlungen.

Am nächsten Morgen wurden sie von dem Geschrei der vorbeifliegenden Kraniche geweckt. Die ersten Sonnenstrahlen verzauberten die Baumspitzen in bunt schillernde Fabelwesen.
Harry ging zum Fenster. Der kleine See war von Nebelschwaden umhüllt. Nur die Spitzen der Bäume waren zu sehen. Hanna gesellte sich zu ihm und sie umfassten sich voller Glück.


Und das war Teil 3.

Wie das dann mit dem Umzug und der Bürokratie, den übellaunigen Behördenmitarbeitern und den neuen Nachbarn ist, das wird jetzt noch nicht verraten.


Bis dahin

Eure Jutta

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