Wolken am Himmel über Brandenburg – Teil 2

Hanna und Harry waren in der kleinen Stadt am Stadtrand von Berlin angekommen und suchten nach einer Adresse.
Das Navi kannte diese Adresse nicht. Dann sahen sie ein älteren Herren und überlegten, ob er ihnen weiterhelfen könnte.
Sie stiegen aus und liefen zu diesem Mann hin.
„Entschuldigen Sie bitte, wir suchen diese Straße hier und finden sie nicht. Können sie uns vielleicht weiterhelfen“? Der Mann schaute auf den Zettel und sah die beiden groß an. Er sagte erstmal gar nichts und seinen Augen sah man große Verwunderung. Dann lächelte er und begann zu reden:
„Diese Adresse gehörte mal zu einem großen Familienbesitz. Das war die Familie Heinrich. Der Dietmar ist vor vier Jahren gestorben und seine Frau hat sich vor langer Zeit schon einen anderen Mann gesucht. Seine beiden Söhne haben dann dieses wirklich große Grundstück an einen Immobilienmakler verscherbelt.
Jetzt ist an der Stelle ein großer Wohnpark entstanden. Ganz scheußlich. Winzige kleine einfache Bungalows stehen dort dicht gedrängt. Sämtliche Nachbarn drumherum haben jetzt ihre Anwesen auch verkauft und sind weggezogen. Aber, junger Mann, wenn ich sie so betrachte, würde ich sagen, dass sie zu dieser Familie Heinrich gehören, stimmt das“?
Harry war ganz erschrocken. Dann nickte er und begann zu reden:
„Mein Name ist Harry Heinrich. Mein Vater Albert war der Bruder von Dietmar Heinrich. Meine Eltern sind sehr früh verstorben und bin einer Pflegefamilie zugeteilt worden. Da war ich erst 5 Jahre alt“.
Der Mann ergriff Harrys Hand mit beiden Händen und ihm liefen Tränen über das Gesicht.
„Ich kann das gar nicht glauben, das kann doch nicht wahr sein. Ich war ein sehr guter Freund von Didi. Er hat sich damals so sehr bemüht herauszufinden wo denn sein kleiner Neffe verblieben ist, er hatte aber keine Chance.
Er hat immer wieder davon gesprochen. Mit seinen beiden Söhnen war er überhaupt nicht einverstanden.
Ihr seht ja, was daraus geworden ist. Wahrscheinlich haben sie das ganze Geld in Frauen und Autos investiert“.
Harry schaute seine Frau an. „Ich habe ganz vergessen Ihnen meine Frau Hanna vorzustellen. Tut mir leid. Ich bin normalerweise nicht so unhöflich“. Der Mann lachte und sagte dann:
„Das freut mich sehr, Frau Heinrich. Dann werde ich mich auch mal vorstellen. Mein Name ist Hans Schmidtke und ich freue mich so sehr, sie hier getroffen zu haben. Was halten sie davon, wenn sie jetzt mit mir kommen und sie auch meiner Frau Lisa vorstelle. So wie ich meine Lisa kenne, gibt es sicher einen Kaffee mit einem Stück Kuchen.
Wenn Sie mich in Ihrem Auto einfach mitnehmen sind wir in wenigen Minuten da“.
Hanna und Harry schauten sich an und nickten dann: „Das machen wir sogar sehr gerne“.
Und schon saßen die drei im Auto. Sie fuhren an diesem Wohnpark vorbei.
Es stimmte alles, was Herr Schmidtke erzählt hatte. Alles war voller Autos. Die Grundstücke waren so klein, dass noch nicht einmal ein Auto drauf passte, geschweige denn ein Carport oder eine Garage. Die Kinder spielten auf der Straße, Hunde bellten, die Erwachsenen standen an den Gartenzäunen und unterhielten sich.
Manche stritten auch lautstark. Das gefiel Hanna und Harry überhaupt nicht. Bald waren sie an dem Wohnpark vorbei und bogen dann in Richtung eines Waldstückes ab. Nachdem sie an dem Waldstück vorbei waren wurde der Blick auf einen kleinen See frei. Die Bäume spiegelten sich auf der Wasseroberfläche. Libellen tanzten im Sonnenlicht und ein Graureiher stand am Ufer und wartete vermutlich auf fette Beute. Das war eine wahre Idylle.
Herr Schmidtke deutete auf einen Gartenzaun und bat Henry zu halten. Herr Schmidtke stieg aus und öffnete das Gartentor. Harry fuhr auf das Grundstück und schaltete den Motor aus.
Da ging auch schon die Haustür auf und eine kleine drahtige, freundlich lächelnde Frau trat heraus. „Wen hast Du mir denn da mitgebracht, Hans“? „Lisa, Du wirst es mir nicht glauben, aber ich habe den Neffen von Didi, samt seiner Frau, in der Nähe von diesem scheußlichen Wohnpark getroffen. Und jetzt habe ich die zwei einfach zum Kaffee eingeladen“. Frau Schmidtke kam schnellen Schrittes auf Hanna und Harry zugelaufen. Dann nahm sie erst Hannas und dann Harrys Hand. Harry schaute sie ganz lange an. Und dann liefen auch ihr die Tränen übers Gesicht. „Das ist eine solche Überraschung, ich kann es gar nicht fassen. Und diese Familienähnlichkeit ist unglaublich“.

Nach dieser herzlichen Begrüßungsszene gingen alle vier ins Haus.
Bald war der Tisch in der großen Wohnküche gedeckt.
Hanna half Frau Schmidtke dabei. Dabei bewunderte sie immer wieder diese großartige Aussicht auf den kleinen See. Das reinste Paradies.
Schon bald darauf saßen alle um den Tisch herum, der Kaffee duftete und der Kuchen landete schnell auf den Tellern. Da fingen alle vier gleichzeitig an zu reden. Dann lachten alle und fingen wieder an zu reden.
Harry war der erste, der sich Gehör verschaffte. „Ich platze vor Neugier. Erzählen sie mir doch bitte mehr von meinem Onkel und seiner Familie. Ich weiß so wenig über sie“. Zu Frau Schmidtke blickend, erzählte er schnell seine kleine Geschichte. Frau Schmidtke nahm schon wieder seine Hand und drückte sie kräftig.
In diesem Moment stand Herr Schmidtke auf und lachte über das ganze Gesicht. „Ich weiß, meine Lisa sieht das überhaupt nicht gern, aber Ich hole jetzt den guten Weinbrand, damit wir alle anstoßen können. Einen besseren Grund gibt es nicht“.
Zwei Minuten später war er wieder da und schenkte allen ein. Dann erhob er sein Glas und sagte: „Ich freue mich so sehr, Sie beide kennen zu lernen und es wäre mir ein großes Bedürfnis Du sagen zu dürfen“!
Hanna und Harry nickten nur. Alle sagten PROST und stießen miteinander an. Schnell waren die Vornamen ausgetauscht. Hans und Lisa küssten sich und Hans umfasste seine Frau, schaute sie an und sagte: „Davon haben wir immer geträumt, stimmts Lisa“? Lisa schaute Hanna an und die wusste schon, welche Frage ihr gestellt werden würde. „Nein, wir haben leider keine Kinder. Das hat bisher noch nicht funktioniert. Aber wird es ja noch werden. Wir geben die Hoffnung nicht auf“. Lisa nickte nur. „Bei uns hat das auch nie geklappt. Das ist nun mal nicht zu ändern“.
Die vier saßen noch ganz lange beieinander. Zwischendrin gab es natürlich noch Kartoffelsuppe mit Würstchen.
Lisa musste das geahnt haben. Am frühen Abend verabschiedeten sich Hanna und Harry. Man verabredete sich für den nächsten Samstag zum Frühstück. 
Auf der Fahrt nach Hause waren Hanna und Harry erst ganz still und dann hatten sie sich gegenseitig so viele Eindrücke zu vermitteln, dass die Fahrt nur gefühlte zwanzig Minuten dauerte.
Am Abend saßen sie noch lange zusammen und redeten. Hanna brachte es dann auf den Punkt:
„Wenn wir solch ein Grundstück zum Kauf angeboten bekommen, würde ich keine Sekunde zögern und zugreifen“. „Mir geht das ganz genauso. Dort im Haus am See gibt es sogar schnelles Internet. Ich habe Hans gefragt. Es müsste nur eine Leitung zum Haus gelegt werden. Aber das müssen wir uns wohl aus dem Kopf schlagen“.
„Ja, leider. Mir würde das auch sehr gut gefallen. Aber wir machen uns jetzt verstärkt auf die Suche nach einem Grundstück. Diese Gegend von Brandenburg gefällt mir so gut“.
Wie es mit Hanna und Harry weitergeht erfahrt Ihr im Teil 3.
Den gibt es ganz sicher noch in dieser Woche.

Viel Spaß wünscht Euch

Jutta


Die Personen und die Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Aufrufe: 93

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.