Das Denken

 

Manchmal ist man innen drin ganz leer. Also mir geht das so.
Dann sitze ich da und denke.

Nee, stimmt ja gar nicht. Ich denke ja noch nicht mal. Ich sitze dann einfach so da. Und dann denke ich doch.

Also ich denke, ich sollte ja mal wieder etwas Kreatives tun. So richtig kreativ. So etwas richtig Außergewöhnliches.

Ja, dann sitze ich da so. Dann stehe ich meistens auf und schaue mal im Kühlschrank nach, was sich da so tut. Auch meistens nichts. Das wüsste ich ja. Aber es könnte ja sein, dass sich seit dem letzten Besuch etwas geändert hat. Könnte ja sein. So rein theoretisch. Das eventuell mein Süßer, vielleicht….

Den Gedanken verwerfe ich gleich wieder. Mein Süßer tut ja nur Dinge, die ich ihm auftrage. Also ab und zu.
Mache ich die Kühlschranktür eben wieder zu und gehe mal raus in den Garten. Ja, da könnte man auch mal wieder kreativ werden. Das ist dann aber richtig mühevoll.

Nein, so sehr wollte ich mich ja auch anstrengen. Dann schauen die Nachbarn wieder und geben gute Tipps, was und wie man etwas besser machen könnte oder sollte. Da habe ich keinen Bock drauf.

Also gehe ich wieder rein.
Dann schaue ich mal nach meinem Süßen. Der ist ganz vertieft in seine Arbeit. Wie immer eigentlich. Ich frage mal nach Kaffee oder Tee? Nö, jetzt nicht. Na, das bringt mich auch nicht weiter.

Dann gehe ich in die Küche und gieße mir ein Glas stilles, zimmerwarmes Mineralwasser ein. Das bringt mich so richtig in Fahrt. Wie bin ich jetzt eigentlich in die Küche gekommen? Ach ja, ich wollte ursprünglich mal ganz besonders kreativ sein.

Dann setzte ich mich wieder hin. Gleich an meinen Schreibtisch. Könnte ja sein, ich habe eine zündende Idee.

Ich schaue aus dem Fenster. Oh, denke ich, es bezieht sich. Vielleicht gibt es ja Regen. Bestimmt gut für die Natur.

Dann kommt der Geistesblitz. Jutta, denke ich, mach doch mal was übers Wetter. Das hat es so noch nicht gegeben. Also ich kann mich nicht erinnern. Übers Wetter hat noch nie jemand etwas geschrieben. Das wäre doch mal das absolute Novum. Ich schaue im Internet nach, ob doch schon jemand mal etwas geschrieben hat. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Es haben sich tatsächlich schon andere vor mir Gedanken über das Wetter gemacht. Hätte ich so nicht für möglich gehalten. Gut, dann verwerfe ich diese Idee wieder.

Ich sitze immer noch am Schreibtisch. Na, ja, sitzen ist vielleicht nicht ganz korrekt. Ich lümmle eher und schaukle mit dem Stuhl hin und her und überlege, ob ich die Füße nicht lieber hoch lege. Soll ja gut für die Durchblutung sein.

Gesagt getan. Oh, oh…nee das ist mir dann doch etwas zu gefährlich. Ich könnte ja mit dem Stuhl wegrollen.

Ich gehe nochmal in die Küche und trinke von dem belebenden Mineralwasser. Man, das inspiriert mich ja überhaupt nicht.

Dann schaue ich auf die Uhr, ob ich eventuell ein Glas Wein….nee, das ist ja viel zu früh. Da warte ich noch zwanzig Minuten. Macht ja sonst einen schlechten Eindruck. Und das muss ich vermeiden.

Oder doch nicht?

Ist doch eigentlich egal, was die anderen so denken. Die denken doch sowieso, was sie wollen. Da habe ich doch gar keinen Einfluss drauf. Mache ich ja auch nicht anders. Ich denke ja auch immer so drauf los. Okay, gut, heute nicht so sehr.

Aber sonst schon. Sonst denke ich immer ganz viel wichtige Sachen. So, wie zum Beispiel, sollte mal wieder die Fenster putzen. Das sieht ja aus. Was sollen nur die Leute denken.

Jetzt dreh’ ich mich Kreis. Hatte mich doch gerade mit mir geeinigt, dass das Denken der Anderen mir doch völlig egal ist. Gehe wieder zurück zum Schreibtisch. Setze mich hin und schaukle mit dem Stuhl wieder hin und her.

Und da kommt er, der Gedanke.

DAS DENKEN DER ANDEREN

Viel besseres Thema als das Wetter.

Wer sind sie eigentlich, die anderen. Wer ist das im einzelnen?

 

Sind das die Nachbarn? Um Gottes Willen, nein. Die sind doch sowas von wurscht.
Die Verwandten? Auch nicht.

Die Freunde? Die sind wirklich wichtig, aber die denken ja schon positiv. Die anderen Menschen hier aus dem Ort? Die denken immer alles Mögliche. Das will ich gar nicht so genau wissen.

Wohl doch nicht so ein tolles Thema.
Aber jetzt sind die zwanzig Minuten vorbei. Schaue mal im Weinregal nach, was mich inspirieren könnte. Haut mich auch nicht um. Gähnende Leere.

Frage meinen Süßen, ob wir noch Wein im Keller haben.

Och, ich hab gedacht, das du dich drum kümmerst, kommt es aus dem Arbeitszimmer.

Da ist es wieder, dieses Denken. Jeder denkt so vor sich hin. Und was kommt dabei raus? Das sehen wir doch auch in der Politik. Da denkt auch jeder, was er so will. Einfach so. Völlig ungeordnet.

Also, mir kommt das jedenfalls so vor. Manche lassen auch denken. Denke ich jedenfalls. Aber, wir werden doch bewegt von den Gedanken, oder?

Na ja, das ist nicht bei allen so.

Was machen die eigentlich, wenn sie nicht denken? 🙄

 

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