Im Nebel am Waldrand

Es ist Herbst. Die Blätter hüllen sich in prächtige Farben. Obst fällt hinunter und die Wespen futtern sich durch. Es riecht vergoren. Ein Geruch, wie er nur im Herbst in unsere Nasen kommt.
Der Charme des Vergangenen umhüllt uns. Wir denken sehnsüchtig zurück an Frühling und Sommer, an das Licht und die Wärme.
Aber auch an Situationen und Entscheidungen, die wir getroffen haben. Waren sie immer alle richtig? Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Die Vergangenheit gibt keine Entscheidungen wieder her, um sie rückgängig zu machen.

Der Herbst. Jedes Jahr gibt es Nebel am Waldrand.
Die Jäger bringen ihre Hochsitze auf Vordermann. Die Felder werden abgeerntet und neu bestellt.
“Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben” Das hat Rainer Maria Rilke einmal so treffend in seinem Gedicht: “Herbsttag” beschrieben… “Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben”.

Warum sind wir so wehmütig? Ist es das fehlende Licht? Die fehlende Wärme? Jedes Jahr im Herbst erfüllen uns diese Gedanken.

Das ist immer wieder so von jetzt auf nachher wie einer Persönlichkeits – Transplantation. Gerade eben lachen wir noch im abendlichen Sommerwind und ganz plötzlich ziehen wir uns einsam zurück an die Öfen. Die Tiere futtern sich den Winterspeck an. Genau genommen machen wir Menschen das doch auch. Wie heißt es so schön: “Ab jetzt leben die Eichhörnchen von ihren Ersparnüssen”.

Und dann ist da dieser Friseur, der mir erklärt: “Haarausfall ist im Herbst völlig normal”. Ob ich da nochmal hingehe? Ich weiß nicht.

Das Leben verändert sich ständig. Es ist ein beständiges Auf und wieder Ab. Wie auf einer Rolltreppe. Die Kunst besteht wohl darin auch in dem Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.  Auch wenn die Blätter durch die Alleen treiben.

Vielleicht sollten wir auch unsere welken Blätter abschütteln. Alles aussortieren, was sich angesammelt hat im Laufe des Jahres.

Alles, was uns krank macht, alles was uns schlank macht 😆 , oder dumm.

Alles was uns Sorgen macht. Weg damit.

Aber alles was uns Mut macht. Her damit.

 

Auf das Leben, auch im Regen! 😉

 

Eure Jutta