Geschichten aus der kleinen Stadt – Kapitel 1

Wie alles anfing…

 

Endlich war es soweit.

Wir hatten der Großstadt den Rücken gekehrt und ein kleines Haus gefunden, in dem wir unsere Träume ausleben konnten.
Viel Platz für Ideen. Viel Ruhe und viel Natur. In unmittelbarer Nachbarschaft eines Naturschutzgebietes. Besser geht’s nicht. Dachten wir.

Den ersten Dämpfer bekamen wir schon, da waren die Kisten noch nicht einmal ausgepackt. Es klingelte.
Von berühmten Menschen werden ja gern die letzten Worte zitiert. Aber die ersten Worte der Nachbarn sind auch nicht zu verachten.
Da standen sie vor uns.
Mit bösen Blicken wurden wir bedacht. Bevor wir überhaupt den Mund aufmachen konnten, kam die Frage: “Sie wollen jetzt hier wohnen?”
“Ja, wir….” weiter kamen wir nicht. Da kam auch schon der nächste unvergessliche Satz:
“Na, das kann ja heiter werden”!
Abgang der Nachbarn. Quasi so, wie auf der ganz großen Bühne.
Immer denkt man beim Umzug, diese Nachbarn sind wir jetzt los und schwupp hat man wieder welche. Immer einen Zacken schärfer als je zuvor.

Wenige Tage später stellten wir hinter dem Gartenzaun unser Schild auf.

Und unverzüglich kam auch die Reaktion: “Das haben wir uns gleich gedacht”! “Künstler”!
Sicher haben sie nach dem Rotwein gesucht der unweigerlich zu Künstlern dazu gehört und ihre Fantasie unterstellte uns: – Lotterleben –

Aber wie heißt es so schön: “Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt man völlig ungeniert”.

Von unserem kleinen Balkon in der oberen Etage aus blicken wir über weite Felder, das Naturschutzgebiet und wir genossen Sonnen-Auf-und Untergänge.

Der Frieden herrschte nicht lange. Kurze Zeit später erfuhren wir ganz zufällig, dass man genau an diese Stelle einen riesigen Solarpark plante. Ca. 180 ha.
Das sind etwa 250 Fußballfelder. Also ein gigantischer Plan.
Das konnte man aber doch nicht so einfach entscheiden. So einfach am Bürger vorbei.
Wir waren doch wegen der Natur und der Ruhe hierher gezogen.
Das konnte so nicht im Raum stehen bleiben. Wir vereinbarten einen Termin mit dem amtierenden Bürgermeister. Hinterher waren wir genau so schlau wie vorher. Wir wurden mit Behördendeutsch in unsere Schranken verwiesen.

Zurück in unserem kleinen Paradies fingen an zu überlegen.
Wir sollten eine Bürgerinitiative gründen.
Gesagt –  getan. Doch das war nicht so einfach. Für so eine Bewegung braucht man in erster Linie…na? Richtig Bürger.

Wir fragten herum und hier einige Antworten:

Ach, dahinten, na da sind wir so gut wie nie. Sollen sie doch.
Oder auch: Da entstehen bestimmt viele Arbeitsplätze und die Solarpaneele kommen ja auch aus Deutschland.
Interessant war auch: Dann wird unser Strom günstiger.

Hier gab es offensichtlich Handlungsbedarf. Die Nachbarn schauten immer noch ganz schräg.

Dann wurde ich im Supermarkt ertappt, als ich Marmelade kaufen wollte. Ich lernte ganz schnell, die hatte ich gefälligst selber einzukochen. Oder sagt man wecken?
Jetzt komm ich durcheinander. Liegt bestimmt am Rotwein.

Weiter geht es im 2. Kapitel – hier wird es richtig spannend –

 

Bis dahin

macht’s gut Nachbarn

Eure Jutta

 

 

 

 

 

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