Das Dorf – Teil 3 / Die Zahnräder

Man wird das Gefühl nicht los, um einen riesigen Kokon herumzulaufen.
Alle sind sie eingesponnen in ein Netz. Ein Zahnrad greift in das andere. Was der eine nicht kann, konnte der andere. Vieles bleibt unausgesprochen. So wurde das schon immer gemacht. Man kümmert sich nicht um die Politiker in der Landeshauptstadt. „Die“ sollten mal schön wegbleiben. In die Bundeshauptstadt fuhr man nicht, da waren sich alle einig.

Irgendwie wurde das Leben ausgeschlossen. Was man nicht sah, existierte auch nicht.
Probleme wurden verschwiegen und ausgesessen. Das funktionierte immer wieder bestens.

Ach, und dann diese vielen Anglizismen. Gibt’s das nicht auf DEUTSCH?
Die Sozialen Netzwerke waren den „ALTEN“ auch ein Dorn im Auge. Wer hat schon 400 Freunde?
Da stießen regelmäßig Welten aufeinander. E-Mails wurden, wenn überhaupt, erst nach 6 Wochen beantwortet.
Nein, verkehrt, meist war ja das Postfach voll und die Mail kam ungelesen zurück. Eine Website – WAAS?
Trotzdem funktionierte die Kommunikation ganz hervorragend. Jeder wusste von jedem, was in der Vergangenheit alles passiert war. Es gab auch welche, die alles akribisch sammelten, nichts vergaßen und alles immer wieder aufwärmten. Man nannte sie“Die Archivare“.
Ihr Erscheinen wurde meist mit Blicken begleitet, die sich gen Himmel richteten. Wer war heute wieder Zielscheibe ihrer bissigen Bemerkungen?
Trotzdem gehörten sie zu den Alteingesessenen und wurden von allen beachtet.

Die Frauen hatten natürlich weder einen Führerschein noch ein eigenes Auto. Tagtäglich waren sie mit ihrem Einkaufsrolli oder mit dem Fahrrad unterwegs zum Supermarkt während die Männer ihre Autos putzten. Und pünktlich um 13.00 Uhr stand das Mittagessen auf dem Tisch. Sätze wie: „Da muss ich erst meinen Mann fragen“ waren völlig selbstverständlich.
Ich weiß, das sind alles Klischees, aber so ist es auf dem Lande. Die Großstadt war ein anderes Universum. Unvorstellbar weit weg und doch so nah.

Trotzdem waren sie zu beneiden um ihren kleinen Mikrokosmos.

Da kannten sie sich aus.

Bis zur nächsten „Dorf – Geschichte“

Macht’s gut Nachbarn

 

Jutta

2 Kommentare

  • Ach Jutta da sprichst du mir mal wieder aus der Seele..Wie heißt es auch so schön:Was der Bauer nicht kennt,fr..t er nicht..So isses halt auf’m Dorf 😀 Nur nix verändern,alles schön so lassen wie es war..früher ne…Aber wer weiß für was es gut ist 🙂 Liebe Grüße 🙂

    • Jutta Lehmann

      Manu, ich freu mich, wenn ich den richtigen Ton getroffen habe. Manchmal ist es hier im Dorf zu witzig. Was man alles zu erzählt bekommt. Meist komme ich grinsend nach Hause. Und jetzt habe ich einfach mal angefangen, das alles aufzuschreiben.
      Ich sage nur, bis zur nächsten „Dorf – Geschichte“.