Das Dorf – Grillfest

Jeden Sommer werden überall Grillfeste gefeiert.
Da ist jeder mal an der Reihe und es sind auch immer die gleichen Gäste.
So zum Beispiel Ruth und Klaus. Ruth ist schon immer leicht angesäuselt, wenn sie kommt und hat ganz sicher schon mit Klaus gestritten. Der zieht, wie immer ein langes Gesicht. Das Ganze wird sich über den Abend hin steigern. Klaus wird einfach nach Hause gehen und irgend eine gütige Seele wird Ruth nach Hause bringen.
Das nenne ich angewandte Nächstenliebe.
Erika und Hans wollen am Ende des Festes auch gerne die Reste mit nach Hause nehmen und Wolfgang fragt als erstes immer: „Watt haste denn zu trinken da“?

Dieses Mal kamen wir etwas später. Die Thüringer Rostbratwurst brutzelte schon und die Nackensteaks lagen ebenfalls schon auf dem Grill.
Da hörten wir es schon klopfen. Alle saßen an den Tischen und klopften jeder mit einer kleinen Flasche auf den Tischen rum.
Die Gäste hatten schon „Pegel 1“ erreicht. Es war somit gesichert, dass bestimmt keine inhaltsreichen Gespräche aufkommen würden.

In erster Linie ging es um die nicht anwesenden und um die, die gar nicht erst eingeladen wurden. Das war ja logisch.
Ganz klar an zweiter Stelle lag der Bürgermeister. Manchmal sogar an erster. Der gesicherte dritte Platz gehörte den Autos. Hier war eindeutig Edgar der Wortführer.
Hubraum, Verbrauch und Leistung schwirrten durch die Luft.
Spätestens an dieser Stelle verbündeten sich die Frauen, um über Rezepte, Enkel und Gartenpflege die neuesten Erkenntnisse auszutauschen.

„Pegel 2“ war inzwischen erreicht.
Leider war das gekühlte Bier schon ausgegangen. Warm ging ja auch. War ja auch viel gesünder.
Die kleinen Flaschen waren auch alle. Dafür stand jetzt der Pfefferminzlikör auf den Tischen.
War auch gut, brauchte man beim Zubettgehen keine Zähne zu putzen.

Nackensteaks, Würste, Kartoffel- und Gurkensalat waren nun auch aus.
Bier und Schnaps liefen noch gut.
Man glaubt nicht, wie viel man essen und trinken kann, wenn es umsonst ist.
Die Gespräche wurden schon schleppender.
Auf der Bierbank neben mir rollte mein Sitznachbar nach hinten ins Gras, um ein Schläfchen zu machen.

Zeit nach Hause zu wanken. Immer nach der Devise: „wer wankt hat mehr vom Weg“.

Bis zum nächsten Fest.

 

Eure Jutta

4 Kommentare

  • Michael Neubronner

    Ich habe an meinem Gartenzaun ein Schild angebracht: Mann mit Grill sucht Frau mit Kohle – bis heute hat sich noch keine einzige gemeldet.

  • Hahaha liebe Jutta 😀 Das ist ein Traum von Dorfgeschichte 😛 Ich glaub ich ziehe auch ins Dorf..Dann kann ich auch mal heim wanken und lerne den Bürgermeister Bernhard und die anderen „lustigen“ kennen 😀 Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch 😉

    • Jutta Lehmann

      Hallo Manu, das hört sich lustig an, ist es aber nicht immer. Man hat aber auf jeden Fall immer etwas zu erzählen und zu lachen. Ich wünsche Dir auch einen schönen Sonntag Abend.