Das Dorf – die Vierte

Jetzt sind wir wieder inmitten der Brandenburger Felder.
In unserem kleinen Dorf.
Es ist Erntezeit.
Ununterbrochen dröhnen die Erntemaschinen über die Felder und durch die Siedlungen.
Sie haben jetzt absoluten Vorrang. Und auch ein scharfes Tempo. Diese Ungetüme.
Die Bauern haben Glück, es ist gerade eine warme und trockene Zeit.
Der Wind treibt die Spreu überall hin. Und auch unendlich viel Staub.
Es ist so schwül. Die Haut ist ganz klebrig und es juckt überall. Bald hat man die Spreu überall. Auch in den Haaren und abends im Bett.
Die Katzen lauern am Feldrand und warten auf die aufgescheuchten fett gefutterten Mäuse.
Mit dicken Bäuchen kommen sie meist mitten in der Nacht nach Hause, schlecken noch ein wenig Milch und hauen sich aufs Ohr.
Eine pralle Jahreszeit. Das finden Millionen von Mücken auch.
Wir leben hier inmitten einer alten Obstplantage. Pflaumen, Kirschen, Mirabellen und Birnen reifen heran und fallen reif ins Gras. Bald hat man diesen vergorenen Geruch in der Nase. Das macht ganz trunken. Da lassen die Wespen auch nicht lange auf sich warten.

Genau der richtige Moment, seinen Müll im Garten zu verbrennen. Wenn man Pech hat steht der Wind ungünstig und man ist vom Rauch umnebelt. Manchmal stinkt es ganz fürchterlich.
Aber das hat man ja schon immer so gemacht.
Richtig lustig wird es, wenn bei der Grillparty der Nachbarn am Abend noch kräftig mit „Polen – Böllern“ geknallt wird.
Aus ist es mit der Ruhe. Die Katzen rasen voller Angst irgendwo hin. Alle Hunde fangen an zu bellen. Die Stimmen werden lauter.
Daraus werden meist Gespräche, die intellektuell eher unaufdringlich sind.
Und man selber denkt auch nur noch im Schritttempo.

In Brandenburg soll es angeblich mehr Pferde als Menschen geben.
Vielleicht kommt man mit denen ja besser klar.

Ich sag dann mal Tschüss

Bis zur nächsten Geschichte

Jutta