Geschichten aus der kleinen Stadt – Kapitel 2

Was bisher geschah

 

Wir sind in diese kleine Stadt gezogen um Ruhe und Natur zu finden.
Bald stellten wir jedoch fest, das uns die Nachbarn nicht so recht mochten.
Das war als solches nicht ungewöhnlich. Aber nicht zu ändern.

Viel beunruhigender war die Tatsache, dass man einen riesigen Solarpark plante.
In unmittelbarer Nähe eines Naturschutzgebietes und somit auch in unserer Nähe.
Wir erinnern uns an eine Fläche von 180 ha, also etwa 250 Fußballfelder.
Wir gründeten eine Bürgerinitiative, verteilten Flugblätter und ließen Plakate drucken.
Bald darauf wurden wir zu einem Gespräch gebeten.
Man traf sich im Konferenzsaal unseres kleinen Gemeindeamtes. Die Geschäftsführer des Investors, der Bürgermeister und die Mitglieder der Bürgerinitiative saßen zusammen.

Nach nur wenigen Minuten kamen wir uns wie Schulkinder vor. Und zwar welche, die den Lehrer mit Butterbrotpapierkugeln beworfen hatten.
Wir wurden sehr bestimmt in eine Ecke gestellt und darüber aufgeklärt, dass Kernkraftwerke wohl sehr viel schlimmer sind. Ebenso Kohlekraftwerke.
Dann ging man dazu über, uns dieses Projekt schön zu reden. Es würden Radwege entstehen. Der Tourismus würde blühen. Aussichtplattformen waren geplant und sicher würde sich an diesen Stellen auch die Gastronomie ansiedeln. Hecken sollten gepflanzt,  ein kleiner See renaturiert werden.
Am Ende dieser sonderbaren Veranstaltung gingen wir wieder nach Hause und saßen noch lange zusammen um das alles zu verdauen.

Wir bekamen Anrufe von Grundbesitzern, die um ihre Pacht fürchteten.
Sollten wir doch lieber wieder in die Großstadt ziehen und anonym bleiben?

Kurze Zeit später wurde die Bürgerinitiative von einem ortsansässigen Bauern zu einer Zusammenkunft in einen hiesigen Gasthof gebeten.
Man wird es nicht glauben. Wir hörten einen sehr eindrucksvollen Bericht über Traktoren und Regenwürmer. Wenn ein Traktor z. B. mit Pflug übers Feld fährt tötet er unzählige Regenwürmer. Wie grausam. Es sei doch viel besser ein Solarfeld zu bauen als dieses Tiersterben zu unterstützen.
Es war irgendwie sehr traurig, aber meine Lachmuskeln machten sich bald selbstständig.
Wir fragten noch, wieviel Pacht er von den Investoren für sein Land bekommen würde. Diese Frage blieb irgendwie unbeantwortet im Raum stehen.
Die Wirtin des Gasthofes erschien und bat uns unmissverständlich, diese Räumlichkeiten zu verlassen. Wir hatten nicht genug an diesem Abend verzehrt.  UPS…Es war 21.00 Uhr.
Schade, ich hätte gern noch einige Fragen stellen wollen. Es sollte nicht sein.

Bald gab es eine Bürgerversammlung im Saal der Stadt.
Eine gut besuchte Veranstaltung.

Einer der Stadtverordneten hatte Polizeischutz vorsorglich beantragt.
Wir lachen heute noch.

Beim Betreten des Saales sagte mit mein Bauchgefühl.
“Vorsicht, hier ist dicke Luft”!
Und richtig. Die Stimmung war aufgeheizt. Wie konnten wir Bürger auf die Idee kommen Fragen zu stellen.

So zum Beispiel:

Werden Steuereinnahmen der Stadt zugute kommen?
Werden Arbeitsplätze geschaffen?
Welche Auswirkungen haben die Solarpaneele auf das Leben im direkt angrenzenden Naturschutzgebiet?

Kurz und gut. Fazit war: Die Entscheidungshoheit liegt bei den Stadtverordneten.
Das wurde uns unmissverständlich mitgeteilt.
Mir kam nur das Wort “Gewinnoptimierung” in den Sinn.

Wenige Tage später meldeten sich “DIE GRÜNEN” bei uns.
Treffpunkt war unser Wohnzimmer.
Wieder hörten wir wie schlimm doch Kernkraftwerke seien. Und wir sollten uns nicht so haben. Diese Veranstaltung war im Frühjahr 2010.
Einem der schneereichsten Winter überhaupt. Zwei junge Männer wollten sich das alles vor Ort anschauen.
Wir zeigten ihnen den Weg. Ca. 1 Stunde später bekamen wir einen Anruf.
Die Jungs waren doch tatsächlich im Schnee stecken geblieben. Die beiden Fahrzeuge wurden von uns selbstverständlich abgeschleppt.
(Übrigens Fahrzeuge ohne Katalysator, soo richtig grün)

Unsere Gegenwehr verpuffte. Zu Hilfe kam uns ein Beschluss  der Bundesregierung.
Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Ackerflächen wurden nicht mehr gefördert.
Unsere Stadtverordneten stimmten trotzdem diesen Vorhaben zu
und in diesem Sommer wurde der Bebauungsplan um 25 Jahre bis ins Jahr 2060 verlängert. Da haben unsere Kinder und Enkel noch etwas davon.

Wir werden sehen, wie das weiter geht.
Unser Naturschutzgebiet hat europäischen Rang. Leider droht es jetzt auszutrocknen.
Ein Solarpark in unmittelbarer Nähe könnte es noch mehr austrocknen. Einfach durch die Reflektion des Sonnenlichtes.
Die Zahl der Tiere und Pflanzen verringert sich immer mehr.

Manchmal habe ich den Verdacht die Frage nach der Umwelt findet hier gar nicht statt.

Wenn die Traktoren hier vorbeidonnern muss ich immer an die Regenwürmer denken.
Und das treibt mir die Tränen in die Augen.

Ich weiß nur nicht so Recht warum??????
Vielleicht wegen Glyphosat, dem heute am häufigsten eingesetzten Unkrautbekämpfungsmittel??
Auch in direkter Nachbarschaft zur Natur, den Menschen und Tieren….

 

Macht’s gut Nachbarn

Bis zum nächsten Kapitel

der “Geschichten aus der kleinen Stadt”.

 

 

2 Kommentare

  • Ich wohne jetzt 11 Jahre in Werneuchen, durch meine Schichtarbeit findet mann hier eh keinen Anschluss,fremd bleibt fremd. Dieses spiegelt sich scheinbar auch bei solchen Entscheidungen wieder, ich habe es vorher nicht war genommen, ausser den einen oder anderen Amtsmissbrauch,aber das war schon immer und überall so. Schade, das Mann niemanden bei Steuerverschwendungen persönlich haftbar macht.

    • Da hast wohl Recht. Wenn man hier einfach nur wohnt bekommt man so gut wie gar nichts mit. Das Amtsblatt ist auch alles andere als unterhaltsam. Das geht uns auch nicht anders. Wir sind jetzt seit 15 Jahren hier. Und immer noch fremd. genau wie Du. Mach Dir nichts draus…